Südafrika

Südafrika
Südafrika

Das Land Südafrika nimmt die gesamte Südspitze des afrikanischen Kontinents ein und ist über 1,2 Millionen Quadratkilometer groß. In gewisser Weise hat es gleich drei Hauptstädte – denn die wichtigen politischen Einrichtungen sind verteilt: Pretoria im Nordosten ist die offizielle Hauptstadt und Sitz der Regierung. In Kapstadt an der Küste tagen die Abgeordneten im Parlament. Und in Bloemfontein in der Mitte des Landes tritt der Oberste Gerichtshof zusammen. Weitere wichtige Städte sind die Häfen Durban und Port Elizabeth sowie der Großraum um Johannesburg im Landesinneren, wo jeder vierte Südafrikaner lebt.

Viele Völker in Südafrika

Insgesamt leben 42,8 Millionen Menschen in Südafrika. Drei Viertel davon haben eine schwarze Hautfarbe und gehören einem der neun Volksstämme an: den Zulu, den Xhosa, den Tswana, den Venda, den Sotho, den Ndebele, den Tsonga, den Swasi oder den Pedi. Die Weißen, Nachfahren der europäischen Siedler, machen 14 Prozent der Bevölkerung aus. 8 Prozent der Südafrikaner sind Mulatten, d. h., ein Elternteil hatte eine weiße Hautfarbe, der andere eine schwarze. Die kleinste Bevölkerungsgruppe ist die der Asiaten, die 3 Prozent der Einwohner stellen.

Viele Sprachen in Südafrika

Wegen der verschiedenen Herkunft der Bewohner gibt es gleich mehrere Landessprachen: Afrikaans ist die Hauptsprache der meisten weißen Afrikaner, die zum Großteil Nachfahren holländischer Einwanderer sind und sich selbst Buren oder Afrikaander nennen. Der übrige Teil der weißen Bevölkerung spricht Englisch. Darüber hinaus gibt es die Bantusprachen der schwarzen Ureinwohner, zum Beispiel Ndebele, Xhosa oder Zulu. Auch sie sind als Amtssprache anerkannt. Die Asiaten sprechen vor allem indische Sprachen wie Urdu oder Hindi.

Landschaften in Südafrika

Will man Südafrika von Nord nach Süd durchqueren, muss man 1.400 Kilometer zurücklegen. Von West nach Ost sind es sogar 1.700 Kilometer. Noch länger ist man unterwegs, folgt man dem längsten Fluss des Landes, dem Oranje. Er fließt von Lesotho – einem Königreich, das wie eine Insel mitten in Südafrika liegt – nach Nordwesten und mündet nach 2.100 Kilometern in den Atlantischen Ozean.

Genauso unterschiedlich wie seine Bewohner sind auch die Landschaften Südafrikas: Es gibt Wüsten, Halbwüsten, Regenwälder, über 3.000 Kilometer Meeresküste und Gebirge. Der höchste Gipfel ist mit 3.375 Metern der Champagne Castle. Wenn man ihn besteigen möchte, muss man in den Südosten in die Drakensberge fahren. Berühmter ist jedoch der Tafelberg in Kapstadt. Er ist zwar nur 1.086 Meter hoch, aber oben ganz flach mit steil abfallenden Berghängen. Manchmal bleiben die Wolken so an dieser Hochebene hängen, dass der Tafelberg so aussieht, als ob er mit einem Tischtuch bedeckt wäre.

Tafelberg - Kapstadt - Südafrika
Tafelberg in Kapstadt (Südafrika)

Südafrika ist an drei Seiten vom Meer umgeben: Im Süden und Osten schwappt der Indische Ozean ans Ufer und im Westen der Atlantik. Am Kap der Guten Hoffnung vermischen sich die beiden mächtigen Meere.

An den Küsten ist Südafrika recht flach, und an seiner Südspitze ist es mit durchschnittlich 21 °C im Sommer so warm wie am Mittelmeer. Zum Landesinneren hin steigt das Gelände steil an und bildet die so genannte Große Randstufe. Sie macht zwei Drittel der Fläche Südafrikas aus. Je weiter man Richtung Norden fährt, umso wärmer wird es. Besonders heiß ist es im Grenzgebiet zu den Ländern Namibia und Botswana: In der Kalahari-Wüste klettern die Temperaturen im Sommer oft auf 45 °C. Weiter Richtung Nordosten, an der Grenze zu Simbabwe und Mosambik, liegen große Savannengebiete. Die Landschaft wird von Gräsern und Büschen geprägt und ist die ideale Heimat für zahlreiche Tiere.

Wilde Tiere in Südafrika

Elefanten in Südafrika
Afrikanische Elefanten in Südafrika

In Südafrika lassen sich viele Tiere, die bei uns als Zootiere gehalten werden, in freier Wildbahn erleben. Besonders viele verschiedene Arten sind im Kruger-Nationalpark im Nordosten des Landes zu Hause. Das 1898 eingerichtete Schutzgebiet ist immerhin so groß wie das deutsche Bundesland Rheinland-Pfalz. Neugierige Touristen können hier Löwen, Leoparden, Elefanten, Büffel und Nashörner bestaunen.

Neben den Säugetieren gibt es in Südafrika etwa 600 Vogelarten; die größte ist der Strauß. Dieser Laufvogel wird wegen seines essbaren Fleisches sogar auf riesigen Farmen gezüchtet.

Straußherde in Südafrika
Straußherde in Südafrika

Der Fang des Jahrhunderts

Auch in den Küstengewässern vor Südafrika kann man Tiere beobachten. Mit ein wenig Glück ziehen hier sogar Delphine und Wale vorbei. 1938 machten die Wissenschaftler vor Südafrika aber einen ganz besonderen Fang: Ihnen ging ein Quastenflosser ins Netz. Vorfahren dieser Fischart lebten bereits vor 350 Millionen Jahren! Bis dieses lebende Exemplar ins Netz ging, hatte man gedacht, dass dieser „Urfisch” längst ausgestorben sei.

ZWISCHEN ZWEI KOLONIALMÄCHTEN

Südafrika - Kapstadt - Dämmerung
Kapstadt bei Dämmerung (Südafrika)

Im Jahr 1652 gründeten holländische Seefahrer an der Südspitze Afrikas eine erste Siedlung: Kapstadt. Zunächst diente die rasch wachsende Stadt als Versorgungsstation für Schiffe, die auf dem langen Weg nach Indien waren. Nach und nach kamen immer mehr weiße Siedler nach Südafrika, vor allem Holländer, Deutsche und Franzosen. Sie entwickelten eine gemeinsame Sprache, das „Afrikaans” und nannten sich „Buren”. Bis am Ende des 18. Jahrhunderts die Engländer Südafrika besetzten, hatten die Buren bereits große Landstriche erobert und mehrere afrikanische Stämme vertrieben oder versklavt.

Die Buren und die nun ins Land strömenden englischen Kolonialisten gerieten jedoch immer wieder in Konflikt. Die Buren hielten u. a. nichts von der Abschaffung der Sklaverei, die England 1833/34 in allen Kolonien durchsetzte. Um unabhängig zu bleiben, zogen die Buren immer weiter ins Landesinnere und besiegten dabei in blutigen Kämpfen das mächtige Volk der Zulus. Die Rivalität zwischen Buren und Engländern nahm erst zu Beginn des letzten Jahrhunderts ab. Stattdessen unternahmen die Weißen nun alles, um ihre Herrschaft über die Schwarzen zu behalten.

KAMPF GEGEN DIE APARTHEID

Diese Politik, die Südafrika im 20. Jahrhundert prägte, hieß Apartheid. Der Begriff kommt aus der Sprache der Buren; er bedeutete eine strikte Trennung der „Rassen”. Die kleine Gruppe von Menschen mit weißer Hautfarbe hatte die Mehrheit, die Schwarzen und die Asiaten, schon jahrzehntelang wie Menschen zweiter Klasse behandelt. Ab 1948 erließ die regierende National Party (NP, eine Partei der Weißen) eine Vielzahl von Gesetzen, um die Vorherrschaft der Weißen zu sichern. Dazu wurde die gesamte Bevölkerung in vier „Rassen” eingeteilt: Weiße, Schwarze, Farbige (Menschen gemischter Abstammung) und Asiaten. Für sie gab es streng getrennte Wohngegenden, Arbeitsplätze und Freizeitmöglichkeiten. Die Apartheid war überall – Schwarze und Weiße durften nicht heiraten, nicht zusammen am Strand liegen, nicht die gleichen Busse benutzen.

Für die schwarze Bevölkerung wurden „Homelands” eingerichtet. Dort lebten die Angehörigen der verschiedenen schwarzen Volksgruppen zusammen. Insgesamt bekamen die Nachfahren der Ureinwohner von den Nachfahren der ersten europäischen Siedler nur etwa 13 Prozent des Landes zugestanden. Die Schwarzen versuchten sich gegen diese ungerechte Behandlung zu wehren und protestierten immer wieder gegen die Verbote. Vor allem die Parteien ANC (Afrikanischer Nationalkongress) und der PAC (Panafrikanischer Kongress) organisierten den Widerstand. Sie wurden deshalb 1960 verboten. Daraufhin kämpften sie heimlich für die Abschaffung der Apartheid. Immer wieder gab es bei Demonstrationen oder Streiks Tote und Verletzte. Erst in den achtziger Jahren verbesserte sich langsam die Lage für die Schwarzen. Einzelne Gesetze wurden aufgehoben.

Doch die Apartheid war erst zu Ende, als Frederik Willem de Klerk 1989 neuer Regierungschef wurde. Er reagierte schließlich auf die Kritik, die viele Länder an der ungerechten Behandlung der Menschen in Südafrika übten. Zunächst schaffte er die Rassentrennung ab und ließ die politischen Gefangenen frei. Alle Bevölkerungsgruppen erarbeiteten danach zusammen an einem „runden Tisch” eine neue Verfassung für Südafrika. 1994 fanden schließlich die ersten freien Wahlen statt, bei denen der ANC der große Gewinner war.

Nelson Mandela
Nelson Mandela

Nelson Mandela, der 26 Jahre lang wegen seiner politischen Überzeugung im Gefängnis gesessen hatte, wurde zum Präsidenten gewählt. 1997 trat er von seinem Amt zurück und bestimmte Thabo Mbeki zu seinem Nachfolger. Dieser wurde 1999 als Präsident bestätigt, und der ANC wurde wieder zur stärksten Kraft gewählt. Obwohl die Apartheid inzwischen also „offiziell” vorbei ist, wirkt die jahrzehntelange Rassentrennung noch immer nach. Für den Großteil der Bevölkerung gilt: Die Weißen sind reich und besitzen das Land. Etwa jeder zweite Schwarze ist arm und hat keine Arbeit. Ein Viertel lebt in baufälligen Hütten oder ist obdachlos.

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