Napoleon Bonaparte

Napoleon Bonaparte Portrait
Napoleon Bonaparte

Kaum eine Gestalt in der Geschichte Europas hat die Geister derart geschieden wie Napoleon. Und er war in der Tat eine zwiespältige Persönlichkeit. Einerseits schwang er sich – übrigens mit Zustimmung des Volkes – zum Alleinherrscher und „Kaiser der Franzosen” auf und führte blutige Eroberungskriege; andererseits kämpfte er durchaus für die Ideen der Französischen Revolution. Kein Wunder, dass er auf seinen Eroberungszügen vom Volk als Befreier begrüßt wurde – am Anfang jedenfalls…

Der erste französische Kaiser wurde als Sohn eines Advokaten aus dem niederen Adel in Korsika geboren. Korsika war von der Republik Genua 1768 an Frankreich verkauft worden. Napoleon wuchs mit Paoli, dem Führer der korsischen Unabhängigkeitsbewegung, auf und verehrte ihn sehr. Trotzdem entschied er sich für eine Karriere in Frankreich und änderte seinen Namen Napoleone di Buonaparte in Napoleon Bonaparte. Er besuchte die Militärschulen von Brienne und Paris und wurde Leutnant der Artillerie in Valence. Für die Revolution ging er 1793 in Toulon und 1795 in Paris mit Kanonen gegen Aufständische vor. Das Direktorium, das die Diktatur Robespierres abgelöst hatte, entsandte Napoleon 1796 nach Italien. Für seine Verdienste erhielt er den Oberbefehl über die Armee und kämpfte erfolgreich gegen Österreich. Von kleiner Statur setzte er sich mit sachlicher Strenge bei der Truppe durch. Er tat sich mit Tapferkeit hervor, als er auf der Brücke von Arcole die Tricolore, die französische Nationflagge, zum Angriff vorantrug. Die europäischen Königreiche England, Deutschland, Österreich, Russland und Schweden hatten sich in einer Koalition gegen Frankreich verbündet. Sie wollten die alte Monarchie wiederherstellen. Zwischen 1792 und 1809 kam es zu insgesamt fünf Koalitionskriegen. Mit Siegen bei Lodi und Rivoli und dem Frieden von Campo Formio 1797 entschied Napoleon den ersten Koalitionskrieg gegen die verbündeten Monarchien für die Republik.

Als Napoleon Bonaparte 1799 nach einem nicht so erfolgreichen Ägyptenfeldzug nach Paris zurückkehrte, stürzte er in einem Staatsstreich am 18. Brumaire (Robespierre hatte einen republikanischen Kalender eingeführt, der bis 1805  galt. Der 18. Brumaire war der 9. November) das korrupte Direktorium. Sein Ruf als glänzender Stratege war Napoleon Bonaparte vorausgeeilt und hatte seinen Ruhm in der Heimat begründet. Man empfing ihn als "Retter der Nation". Napoleon ernannte sich zum Ersten Konsul und errichtete eine Militärdiktatur. In Anlehnung an die höchsten Amtsträger der römischen Republik nannte Napoleon das neu geschaffene Amt "Konsulat". Sein Konsulat war zunächst auf zehn Jahre befristet, wandelte sich aber 1802 in ein Konsulat auf Lebenszeit. Doch selbst das reichte Napoleon Bonaparte nicht. Am 2. Dezember 1804 nahm Napoleon dem Papst in der Kathedrale Notre Dame die Krone aus der Hand und krönte sich selbst zum "Kaiser der Franzosen".

Napoleon Bonaparte - Krönung
Napoleons Krönung

Napoleon Bonaparte wollte sein Reich vergrößern und zog bald wieder in den Krieg. Ihm schwebte ein Großreich vor, in dem er über mehrere abhängige Staaten herrschen würde. Es sollte nach dem Vorbild des Deutschen Reiches entstehen und dieses ablösen. Gegen die Engländer unterlag er in der Seeschlacht bei Trafalgar und musste von einer Invasion der Insel absehen. Auf dem Kontinent schritt er aber von Erfolg zu Erfolg. Die linksrheinischen deutschen Gebiete hatte er bereits im zweiten Koalitionskrieg erobert. In der Dreikaiserschlacht bei Austerlitz besiegte er nun die Österreicher und Russen. Auch Preußen warf er nieder und sicherte sich seine Eroberungen 1807 im Frieden von Tilsit. Napoleon gründete den Rheinbund, in dem sich die deutschen Fürstentümer zusammenschlossen. Die Mitglieder des Rheinbundes traten aus dem Deutschen Reich aus und mussten Napoleon Bonaparte als ihren Schutzherrn anerkennen. Auf dem "Fürstenkongress" 1808 in Erfurt kam Goethe aus Weimar zur Audienz. Napoleon, der -Die Leiden des jungen Werther- gelesen hatte, plauderte mit dem Dichter. Tragödien verwarf er mit dem Ausruf "Die Politik ist das Schicksal!". Seine Brüder versorgte Napoleon Bonaparte mit Königskronen und sicherte sich so seine Macht in den eroberten Gebieten. Nachdem er sich von seiner ersten Frau Josephine Beauharnais hatte scheiden lassen, heiratete er Marie Louise, die Tochter des deutschen Kaisers Franz II. (1768-1835). Sie gebar ihm den Sohn, den er von Josephine nicht bekommen hatte.

Nach der wechselvollen Phase der Revolution folgte mit Napoleon eine Periode der Stabilisierung in Frankreich. Napoleon Bonaparte reformierte die Verfassung und die Verwaltung. Er ließ den Code Civil, den er nun Code Napoleon nannte, ausarbeiten und schuf so das erste bürgerliche Gesetzbuch.

Doch Aufstände in Spanien und Tirol unterhöhlten die Herrschaft Napoleons. Sein Krieg gegen Russland scheiterte. Napoleons -Große Armee- rückte bis Moskau vor. Dort zündeten die Russen ihre hölzerne Stadt an, um der französischen Armee jede Versorgungsmöglichkeit zu nehmen. Es blieb nur ein verlustreicher Rückzug durch den russischen Winter. In der Völkerschlacht bei Leipzig (1813) verlor Napoleon Bonaparte jeden Einfluss auf Deutschland. Die Verbündeten verfolgten ihn bis Paris, wo er am 30. April 1814 abdankte.

Aus der Verbannung auf der Insel Elba brach er jedoch aus und landete 1815 in Südfrankreich. Noch einmal regierte Napoleon in Paris. Seine Regentschaft dauerte jedoch nur 100 Tage und endete mit der Niederlage bei Waterloo am 18. Juni 1815. Er wurde auf die südatlantische Insel St. Helena verbannt, wo er am 5. Mai 1821 starb. Sein Leichnam wurde im Invalidendom in Paris beigesetzt.

Geschichtliche Auswirkungen

Ideengeschichtlich hinterließ die napoleonische Zeit in Europa ihre Spuren. In Zusammenarbeit mit dem Franzosen, aber auch in der Absicht, gegen diesen aufzurüsten, wurden sie Errungenschaften der Französischen Revolution zum Teil übernommen. Vieleorts schufen die Staaten ein modernes Verwaltungssystem. Einige führten den sogenannten Code Civil, ein Gesetzbuch des bürgerlichen Rechts, zumindest teilweise ein. Zudem hatten das Auseinanderbrechen des Reichs und das Erleben der Fremdherrschaft in Deutschland vor allem unter den Intellektuellen zu einem gemeinsamen Wunsch nach Einheit und Freiheit geführt, der Grundlage einer Nation. Napoleon Bonaparte war so zum Katalysator der Moderne geworden.

Der Code civile

Im Code civile (auch Code Napoleon) ließ Napoleon Bonaparte alle bürgerlichen Rechtsverhältnisse zusammenfassen. Zum Beispiel wurde den Bürgern die Gewissens- und Arbeitsfreiheit zugesichert und die Juden erhielten das Bürgerrecht. Außerdem wurde die zivile Eheschließung begründet. Die Ehe galt von nun an als weltlicher Vertrag! Der Code civile wurde zum "revolutionären Exportartikel" in ganz Europa. Auf diesem Werk beruht ein großer Teil der Justizkultur in zahlreichen Ländern der Erde.

 

Napoleon und europäische Politik

Napoleon Bonaparte auf einem Pferd
Napoleon Bonaparte

1806 schloss Napoleon mit 16 süddeutschen Staaten den Rheinbund. Dann besiegte er Preußen und zog in Berlin ein. Er verbot allen europäischen Ländern den Handel mit England (Kontinentalsperre), um die Briten so in die Knie zu zwingen. Anschließend eroberte er Spanien. Aber dort und auch anderswo regte sich immer mehr Widerstand gegen die französische Herrschaft. 1809 unterlag Napoleon Bonaparte mit seinen Truppen dem österreichischen Heer bei Aspern. Daraufhin erhoben sich die Tiroler Bauern, angeführt von Andreas Hofer (1767-1810), denn Napoleon hatte ihr Land an Bayern verkauft. Doch Napoleon Bonaparte fügte Österreich bei Wagram eine große Niederlage zu und ließ Hofer hinrichten. Auf Anraten seines Kanzlers Fürst von Metterich verheiratete der deutsche Kaiser Franz II (1768-1835) seine Tochter Miarie Louise mit Napoleon.

Russland litt wirtschaftlich sehr unter den Folgen der Kontinentalsperre. Als Nopoleon Bonaparte den russischen Bauern gestattete Getreide an England zu liefern, öffnete Zar Alexander I. (1777-1825) seine Häfen und verbündete sich mit Schweden. Daraufhin marschierte Napoleon 1812 mit 611.000 Mann gegen Russland. Erst vor Moskau trafen beide Heere aufeinander. Das war von den Russen so geplant, denn Napoleon Bonaparte steckte nun tief im Landesinneren und der russische Winter nahte. Moskau wurde von den Franzosen eingenommen doch kurz darauf fing die Stadt an zu brennen. Die französischen Truppen mussten sich unter unvorstellbaren Verlusten zurückziehen, nur 20 Prozent erreichten wieder ihre Heimat.

Napoleon Bonaparte zog mit den letzten jungen Männern Frankreichs gegen seine europäischen Gegner und schlug Preußen und Russland in zwei Schlachten. Doch gemeinsam mit Österreich, Schweden und England konnten die Besiegten Napoleon bei Leipzig vernichten. In der "Völkerschlacht von Leipzig"  verbündeten sich alle europäischen Großmächte gegen Napoleon Bonaparte. Nach deren Sieg brach das französische Imperium zusammen. Alle Rheinbundfürsten - außer Sachsen - wandten sich von Napoleon ab. Die Franzosen schickten ihren Kaiser daraufhin ins Exil auf Elba.

Zusammenfassung über Napoleon Bonaparte

Napoleon Bonaparte (1769-1821) war der Sohn eines armen korischen Anwalt. Er wurde schon mit zehn Jahren nach Frankreich auf die Militärschule geschickt. Sehr ehrgeizig und diszipliniert, machte er als glänzender Stratege schnell Karriere. Das erste Direktorium, die Regierung Frankreichs nach der Französischen Revolution, wurde 1799 von einem zweiten gestürzt. Erster Konsul wurde ein besonders machthungriger Mensch: General Napoleon Bonaparte. Dieser ordnete das Reich neu und schuf den Code civile. Napoleon wurde Konsul auf Lebenszeit und 1804 sogar vom Papst zum Kaiser gesalbt.

Sein Ziel war das französische Reich zu vergrößern. England, Deutschland, Österreich, Russland und Schweden erklärten Napoleon Bonaparte daraufhin 1805 den Krieg. Der englische Admiral Nelson (1758-1805) schlug die Franzosen in der Schlacht bei Trafalgar, wo er selbst fiel, damit aber die Seeherrschaft Großbritanniens sicherte. Doch Russland und Österreich unterlagen Napoleon in der Schlacht bei Austerlitz. Napoleon Bonaparte herrschte nun über fast ganz Europa und verschenkte großzügig Herzogtümer und Königreiche an seine Familienmitglieder.

 

Das Ende von Napoleon

Nach Napoleons Fall bestieg Ludwig XVIII. (1755-1824) den französischen Thron und führte die Herrschaft im Stil seines während der Französischen Revolution hingerichteten Bruders Ludwig XVI. fort. Dies erregte Widerstand des französischen Volkes. Die Gegner Napoleons waren auf dem Wiener Kongress mit der Neuordnung Europas beschäftigt. Die europäischen Mächte berieten fast ein Jahr über die Machtverteilung in Europa. Napoleon sah deshalb seine zweite Chance gekommen und landete 1815 mit ein paar Getreuen in Frankreich. Das gesamte Heer lief zu ihm über. Doch bei Waterloo, Belgien, schlugen die europäischen Verbündeten unter dem englischen Herzog von Wellington (1769-1852) und dem preußischen General Blücher (1742-1819) Napoleon Bonaparte endgültig. Wieder wurde er verbannt, diesmal auf die Insel St. Helena, wo er bis zu seinem Tod lebte.

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