Mittelmeer

Mittelmeer
Mittelmeer

Jedes Jahr im Sommer ist es wieder so weit: Viele Millionen Touristen haben das gleiche Reiseziel – das Mittelmeer. Menschen gibt es dort eigentlich schon genug. Insgesamt leben im Mittelmeerraum rund 350 Millionen. Da kann man sich gut vorstellen, dass es zwischen Spanien im Westen und Israel im Osten nur noch wenige unbebaute Küstenabschnitte gibt.

Abgesehen von seiner Kultur und Küche gilt das Mittelmeer mit seinen Sandstränden, seinem blauen Wasser und seinen zahlreichen Wassersportmöglichkeiten als eines der schönsten Meere der Welt. Schließlich werden hier bis in den Herbst hinein Badetemperaturen von bis zu 28 °C erreicht, und das subtropische Klima stillt fast rund ums Jahr das Bedürfnis nach Wärme. Die größte Breite des Mittelmeers beträgt übrigens 1.600 Kilometer. Mit dem Schiff ist man da mehr als einen Tag unterwegs. Wer das Mittelmeer in seiner ganzen Länge von West nach Ost durchqueren möchte, muss noch mehr Zeit einplanen: Die größte Ausdehnung beträgt fast 4.000 Kilometer.

Sommer das ganze Jahr

Wem es ab Oktober im nördlichen Teil des Mittelmeers - an der französischen und italienischen Riviera oder an der Adriaküste - zu kalt wird, der findet an den Stränden im Süden immer noch attraktive Temperaturen vor. Länder wie Marokko, Tunesien und Ägypten liegen schließlich mehrere hundert Kilometer näher am Äquator.

Das Mittelmeer ist SALZIG UND WARM

Das Mittelmeer erstreckt sich zwischen Europa, Asien und Afrika über etwa drei Millionen Quadratkilometer. Damit ist es rund achtmal so groß wie Deutschland und das größte Randmeer der Welt. Als Randmeer (oder Nebenmeer) wird es bezeichnet, weil es genau genommen ein Teil des Atlantischen Ozeans ist. Mit diesem ist das Mittelmeer über die Straße von Gibraltar verbunden. Diese Meerenge zwischen Spanien und Marokko ist an ihrer schmalsten Stelle nur etwa 14 Kilometer breit.

Das Mittelmeer ist mit einer durchschnittlichen Tiefe von etwa 1.450 Metern vergleichsweise seicht. Es ist auch salzhaltiger und wärmer als der Atlantik. Denn kalte Meeresströmungen können wegen der nur schmalen Verbindung mit dem Atlantik kaum in das Mittelmeer einfließen. Weil die Wasser- und Lufttemperaturen hoch sind, verdunstet mehr Wasser, als durch einmündende Ströme (z. B. Nil, Rhône, Ebro und Po) zufließt. Deshalb reichert sich das bei der Verdunstung zurückbleibende Salz an.

Gezeiten im Mittelmeer

Eine Besonderheit sind die schwachen Gezeiten im Mittelmeer. Wegen des geringen Zuflusses vom offenen Meer sind Ebbe und Flut deutlich weniger ausgeprägt als bei großen Ozeanen.

Das Mittelmeer - WIEGE DES ABENDLANDES

Das Mittelmeer
Das Mittelmeer

Im Gegensatz zum Süden zeigt der Nordteil des Mittelmeers einen stark gegliederten Küstenverlauf mit zahlreichen Buchten, Halbinseln und Inseln. Zu den bekanntesten Inseln gehören von West nach Ost die Balearen (Mallorca, Menorca und Ibiza), Korsika, Sardinien, Sizilien und Malta. Im Ostteil des Mittelmeers befinden sich die vielen griechischen Inseln (u. a. Kreta, Rhodos und die Vulkaninsel Santorin) sowie Zypern.

Im Osten liegen die vorderasiatischen Staaten Türkei, Syrien, Libanon und Israel am Mittelmeer, der südliche Teil des Mittelmeers grenzt an die nordafrikanischen Wüstenländer Ägypten, Libyen, Tunesien, Algerien und Marokko. Auch die Ukraine, Russland, Georgien, Bulgarien und Rumänien gelten (zumindest indirekt) als Anrainerstaaten. Denn über die Meerenge der Dardanellen besteht eine natürliche Verbindung zum Schwarzen Meer, an dem sich diese Länder befinden. Schließlich können neben Griechenland, Italien, Ägypten und Israel noch eine Reihe weiterer Staaten auf eine lange, wechselhafte und auf Handel ausgerichtete Geschichte zurückblicken. Kein Wunder, dass das Mittelmeer oft als „Wiege des Abendlandes” bezeichnet wird.

Eine zweigeteilte Insel: Zypern

Seit Jahren schwelt auf der Mittelmeerinsel Zypern ein politischer Konflikt, der 1974 zu einer Zweiteilung der Insel führte. So gibt es heute einen griechisch geprägten Südteil und einen türkischen Nordteil. Dieser wollte sich als „Türkische Republik Nordzypern” unabhängig erklären, findet aber bis heute weltweit keine Anerkennung.

Die Geschichte vom Mittelmeer

Als die Phönizier um 1.200 v. Chr. die Ersten waren, die das Mittelmeer auf weiten Reisen befuhren, hatte dieses Meer schon eine Menge erlebt. Als Restmeer eines sehr weitläufigen alten Meeres, der so genannten Tethys, das sich bis Südasien erstreckte, reichen seine Ursprünge mehr als 500 Millionen Jahre zurück. Richtig los ging es dann vor 170 Millionen Jahren, als sich die Afrikanische Kontinentalplatte unter die Eurasische Platte schob. Die Wirkung dieser Naturgewalten zeigt sich in Hochgebirgen wie den Alpen und den Pyrenäen, die bei diesem Zusammenstoß entstanden. Auch der Meeresboden ist stark gegliedert, in einigen Meeresbecken werden Tiefen von rund 5.000 Metern erreicht. Daneben gibt es sehr flache Bereiche wie z. B. das Adriatische Meer.

Vor sechs Millionen Jahren wurde dann der bis dahin ungehinderte Wasserzustrom vom Atlantik zum Mittelmeer durch geologische Prozesse blockiert. Dabei trocknete das Mittelmeer beinahe ganz aus. Das Gebiet war zeitweise eine heiße, tief liegende Wüste mit flachen Salzseen. Rund eine Million Jahre später hob sich der Atlantik schließlich und füllte das Mittelmeer über gewaltige Wasserfälle wieder auf. Da sich die Afrikanische Platte – wenn auch sehr langsam – immer noch weiter unter die Eurasische Platte schiebt, gehen Geologen davon aus, dass es in 50 Millionen Jahren kein Mittelmeer mehr geben wird. Wie sehr es im Untergrund rumort und brodelt, zeigen jetzt schon die vielen Erdbeben und Vulkane rund um das Mittelmeer. Im Tyrrhenischen Meer vor der Küste Süditaliens etwa gibt es neben den berühmten Vulkanen Ätna und Vesuv eine ganze Reihe von aktiven Vulkaninseln. Der bekannteste unter ihnen ist der Stromboli, der alle 15 Minuten Feuer spuckt.

REICHTUM UND SORGEN des Mittelmeers

Die Hochseefischerei spielt keine allzu große Rolle. Auch dies liegt am geringen Wasseraustausch mit dem Atlantik, dessen Wasser sehr nährstoffreich ist. Der Küstenfischfang hat hingegen eine lange Tradition. Seit der Antike erfreuen sich die Küstenbewohner an Sardinen, Makrelen, Thun- und Tintenfischen, Langusten und Austern.

Der Tourismus stellt hingegen eine recht neue Einnahmequelle dar, die sich seit Mitte des 20. Jahrhunderts zum wichtigsten Erwerbszweig entwickelt hat. Ob Spanien, Frankreich, Italien, Kroatien, Griechenland oder die Türkei: Ein großer Teil der Küste verfügt über touristische Infrastruktur (alle Einrichtungen, die Tourismus ermöglichen). Das hat nicht nur positive Auswirkungen, schließlich müssen für komfortable Hotelanlagen sehr große Flächen zugebaut werden. Die Urlauber verbrauchen auch viel Wasser, das dann eventuell an anderer Stelle – z.B. für die Bewässerung von Feldern – fehlt.

Dass etliche Strände mit der blauen Fahne für gute Wasserqualität ausgezeichnet sind, täuscht darüber hinweg, dass das Mittelmeer zu den schmutzigsten Meeren der Welt zählt. Die Verschmutzung der Küsten und Küstengewässer hat mehrere Hauptgründe. Zum einen gelangen Abwässer von Küstenstädten und Düngemittel aus landwirtschaftlichen Betrieben über die Flüsse ins Meer. Oft fehlt eben der Wille oder das Geld für eine umweltschonendere Entsorgung. Zum anderen leiten viele Schiffe auf hoher See Öl ins Wasser, Abfälle werden einfach über Bord geworfen. An den Folgen leidet die ohnehin nicht besonders reichhaltige Tier- und Pflanzenwelt am meisten. Haie, Delphine und Mittelmeer-Mönchsrobben sind schon nicht mehr häufig zu finden – im Gegensatz zu Quallen, Seeigeln und Seesternen.

Eine andere Auswirkung der Verschmutzung sind die riesigen Algenteppiche, die sich aufgrund der erhöhten Schadstoffzufuhr immer stärker ausbreiten können. Um eine drohende Umweltkatastrophe zu vermeiden oder wenigstens zu verzögern, unterzeichneten die Mittelmeerländer verschiedene Abkommen zum Schutz der Umwelt. Außerdem haben viele Regierungen Schonzeiten und Schongebiete für bestimmte Fischarten ausgewiesen. Als weitere Maßnahme wurden einige Küstenstreifen zu Naturschutzgebieten erklärt. Die Regierungen Italiens, Frankreichs und Monacos richteten 1999 ein Schutzgebiet für Wale ein. Solche Maßnahmen sind wichtig, damit auch nachfolgende Generationen noch gerne ans Mittelmeer fahren können.

Der Suezkanal

Im Südosten des Mittelmeers ermöglicht der 195 Kilometer lange, künstlich geschaffene Suezkanal die Durchfahrt zum Roten Meer bzw. zum Indischen Ozean. Der 1869 eröffnete Kanal verkürzte den Seeweg zwischen Südasien und Europa um ein Vielfaches und intensivierte so den ohnehin schon regen Mittelmeerhandel.

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