Johann Wolfgang von Goethe

Johann Wolfgang von Goethe - Porträt
Johann Wolfgang von Goethe

Johann Wolfgang von Goethe gilt als der größte deutsche Dichter. Im Jahr 1749 wurde er in Frankfurt am Main geboren. Sein Vater war ein vermögender kaiserlicher Rat. Seine Mutter hat ihrem "Hätschelhans" die Begabung vererbt. Goethes Kinderjahre waren sehr behütet, er lernte Klavier spielen, reiten und fechten und zog mit 16 Jahren nach Leipzig zum Studium der Rechte. 1770 reiste er nach Straßburg, um sein Studium zu beenden. Dort lernte er durch Johann Gottfried Herder (1744-1803) die Dramen Shakespears und Homers Epen kennen. In Frankfurt arbeitete er ab 1771 als Rechtsanwalt und schrieb die Geschichte Gottfriedens von Berlichingen mit der Eisernen Hand. 1772 ging er ans Reichskammergericht nach Wetzlar, wo er die Leiden des jungen Werther verfasste, die ein romantisches Werther-Fieber in Europa auslösten. Es folgten der Prometheus, Egmont und er begann die Arbeit am Faust, einem Stoff, der ihn sein Leben lang begleiten würde.

Als Wortführer des Sturm und Drang lud ihn 1775 der junge Herzog Karl August von Sachsen-Weimar ein und schenkte ihm das berühmte Gartenhaus, fünf Jahre später das Haus am Weimarer Frauenplan. Goethe verliebte sich in Charlotte von Stein, Ehefrau des herzoglichen Stallmeisters und Mutter von sieben Kindern.

Am Weimarer Hof wurde er Minister, Kriegskommissar, Wegebauchef und schrieb den Entwicklungsroman Wilhelm Meister. Von Kaiser Joseph II. wurde er in Wien mit dem Erbadel geehrt.

Johann Wolfgang von Goethe unternahm mit der Kutsche seine Reise nach Italien. Besonders die erste Reise 1786-1788 inspirierte ihn mit dem Gedankengut der Klassik zu reger Produktivität. Er zeichnete und malte, schrieb Tagebuch und arbeitete an seinen Schriften. Die Klassik zog ihn drei Jahre lang (1786-88) ganz in ihren Bann. Seine Italienreise bedeutete den Wendepunkt seines literarischen Schaffens. Landschaft, Baukunst und Literatur beeindruckten ihn tief. Alles strahlte ihm in Italien die klassischen Ideale aus und nahm ihn endgültig für die Klassik ein. Von der Reise brachte Goethe das klassische Ideendrama Iphigenie mit. 1788 wurde er Leiter des Hoftheaters.

Friedrich Schiller (1759-1805) zog ebenfalls nach Weimar. Es brauchte allerdings seine Zeit, bis die beiden "Dichterfürsten" sich anfreundeten. Johann Wolfgang von Goethe lebte mit Christiane Vulpius, einer Frau aus einfachen Kreisen, in einer unehelichen Verbindung. Mit ihr hatte er einen Sohn. Das löste ein Skandal in Weimar aus, doch Goethe war darüber erhaben.

Er widmete sich auch seinen naturwissenschaftlichen Studien wie seiner in Teilen bis heute gültigen Farbenlehre. 1792 folgte er seinem Herzog auf den Frankreich-Feldzug und glaubte an eine "neue Epoche der Weltgeschichte".

Von Schiller gedrängt, vollendete er Wilhelm Meisters Lehrjahre und schrieb weiter an Faust. Als Schiller 1805 starb, erkrankte auch Goethe schwer. Ein Jahr später, Preußen hatte die Schlacht bei Jena verloren, wurde Weimar von französischen Truppen besetzt. Christiane Vulpius rettete ihn vor marodierenden französischen Soldaten. Vier Tage später heiratete er sie nach achtzehn unehelichen Jahren. Und er beendete nach fast dreißig Jahren sein großes Werk, den Faust I.

1806 starb Goethes Frau Christiane. In den folgenden Jahren wechselte er wieder zu wissenschaftlichen Studien, beendete die Wahlverwandschaften und begann Dichtung und Wahrheit, seinen Lebensrückblick.

Johann Wolfgang von Goethe begegnete Napoleon und dem Universalgenie Wilhelm von Humboldt, Clemens Brentano und Bettina von Arnim.

Goethes Sohn August starb 1830. Goethe selbst arbeitete unermüdlich weiter an seinen literarischen Werken. Er vollendete Dichtung und Wahrheit. Und es entstanden die Gespräche mit Eckermann, wie sie sein Sekretär aufgezeichnet hat.

1832 starb Johann Wolfgang von Goethe im Alter von 82 Jahren. Er liegt in der Fürstengruft in Weimar begraben.

 

Goethe und der Faust-Stoff

Johann Wolfgang von Goethe entwickelt den Faust-Stoff als großes Menschheitsdrama universellen Glücksstrebens: Faust verwettet seine Seele an den teuflischen Mephistopheles, um im Gegenzug Erkenntnis, Liebe und Selbstverwirklichung zu erhalten. Nach vielfältigen Lebenserfahrungen verliert Faust seine Wette, indem er im Wahn gesteht den Augenblick höchsten Glücks zu genießen: "Ach Augenblick, verweile doch, du bist so schön!" Doch Fausts Unsterbliches fällt nicht Mephistopheles anheim, sondern wird in den Himmel entführt: "Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen."

 

Goethes Einsicht über das Alter

Auch einem überragenden Geist wie Johann Wolfgang von Goethe blieb es nicht erspart, im Alter seine Zeit zu überleben. Die Generation, die aus den napoleonischen Freiheitskriegen heimkehrte, verstand seine Dichtung nicht mehr. Goethe erkannte das genau und schrieb in Faust II:

Das Alter ist ein kaltes Fieber,

ein Frost von greisenhafter Not!

Hat einer erst mal dreißig Jahr vorüber,

so wär's am besten, man schlüg ihn tot!

Dreißig Jahre? Da hatte er seine Italienische Reise, die größten Erfolge und viele Liebschaften noch vor sich.

Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich von Schiller

Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich von Schiller - Denkmal in Weimar
Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich von Schiller

Die beiden berühmtesten deutschen Dichter werden oft in einem Atemzug genannt. Doch aller späteren Nähe und geistigen Verbundenheit zum Trotz: In Herkunft und Werdegang unterschieden sich Goethe und Schiller deutlich voneinander. Johann Wolfgang von Goethe stammte aus einer wohlhabenden Frankfurter Familie. Er erlernte auf Wunsch seines Vaters einen "Brotberuf" und arbeitete als Jurist - eine Tätigkeit, die er nicht sonderlich liebte.

Der Vater Schillers war Leutnant und Wundarzt beim württembergischen Militär. Als solcher war er vom württembergischen Landesherrn Carl Eugen in einer Weise abhängig, die selbst noch über die Ausbildung seines Sohnes bestimmte: So musste Friedrich Schiller auf fürstlichen Befehl die Militärschule in Stuttgart besuchen.

Goethe hatte sich mit dem Drama Götz von Berlichingen bereits früh einen Namen gemacht. Mit Die Leiden des jungen Werther löste er in Europa einen regelrechten "Werther-Kult" aus. Er galt als bekanntester Vertreter einer jungen literarischen Richtung, die als "Sturm und Drang" bezeichnet wurde.

Seinem hohen Bekanntheitsgrad hatte Johann Wolfgang von Goethe es zu verdanken, dass der junge Herzog Karl August von Sachsen-Weimar ihn in seine Residenz einlud, ihn großzügig beschenkte und zum Minister machte. Ungleich schwieriger gestaltete sich das Leben des zehn Jahre jüngeren Schiller. Als Goethe bereits an der Weimarer Residenz in herzoglichen Diensten stand, gelangte Schillers Drama Die Räuber am Mannheimer Nationaltheater zur Aufführung. Um dieser Uraufführung beiwohnen zu können, hatte sich Friedrich von Schiller von seiner Truppe in Stuttgart entfernen müssen. Diese unerlaubte Reise nach Mannheim brachte dem 22-Jährigen nicht nur zwei Wochen Arrest, sondern auch ein vom württembergischen Herzog verhängtes Schreibverbot ein. Aber Schiller hatte erlebt, wie begeistert das Publikum auf sein Drama reagiert hatte, und ließ sich daher nicht entmutigen: Er floh aus Württemberg und schrieb mit Die Verschwörung des Fiesko zu Genua, Kabale und Liebe und Don Carlos drei weitere dem "Sturm und Drang" verpflichtete Dramen, in denen er sich in einer Deutlichkeit für Freiheit und Selbstbestimmung einsetzte, die wohl nicht zuletzt eine Antwort auf seine eigenen Negativerfahrungen beim württembergischen Militär darstellte. Lange Zeit litt Friedrich von Schiller unter finanziellen Nöten. Eine schwere Lungenerkrankung, von der er sich nie ganz erholte, erschwerte seine Situation zusätzlich. Seit 1790 war er verheiratet. Mit Familie war er erst recht auf das Wohlwollen von Gönnerinnen und Gönnern angewiesen.

Als einer dieser Gönner erwies sich auch für ihn der Herzog von Sachsen-Weimar, an dessen Residenz Schiller 1799 zog. WIe schon Johann Wolfgang von Goethe vor ihm erhob der Herzog auch Schiller in den erblichen Adelsstand und machte ihn so in vollem Maße "gesellschaftsfähig". Mit Goethe ergab sich eine vertraute Zusammenarbeit.

Als Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich von Schiller sich trafen, war Goethe gerade von seiner ersten Italienreise (1786-1788) zurückgekehrt. Diese Reise hatte ihn grundlegend verändert. Die Erfahrung einer persönlichen Freiheit, wie er sie bisher nicht gekannt hatte, und vor allem die Begegnung mit der Kunst der Antike hatte ihn tief geprägt. Während ihrer Zusammenarbeit änderte sich das Schaffen beider Dichter so sehr, dass unter ihrer Führung eine neue literarische Epoche entstand: die Weimarer Klassik.

Es traf Goethe schwer, als Schiller, der immer unter seiner Lungenerkrankung gelitten hatte, im Mai 1805 starb. Doch obwohl ihm nun ein ebenbürtiges Gegenüber fehlte, ließ er in seiner literarischen Arbeit nicht nach. Vor allem gelang es ihm, sein wohl bekanntestes Werk, das ihn bereits in jungen Jahren beschäftigt hatte, abzuschließen: 1806, kurz nach Schillers Tod, vollendete er den ersten Teil der auf einer alten Volkssage beruhenden Tragödie Faust, 1831, wenige Monate vor seinem eigenen Tod brachte er den zweiten Teil zu Papier.

 

Goethe und Schiller: Zwei Draufgänger

Sowohl Friedrich von Schiller als auch Johann Wolfgang von Goethe betrugen sich nicht immer so, wie man das von wohlanständigen Bürgern erwartet hätte. So ist zum Beispiel von Schiller bekannt, dass er während seiner Militärzeit in Stuttgart bisweilen bei Gelagen über die Stränge schlug und von seinen Zechgenossen betrunken nach Hause gebracht werden musste. Goethe war vor allem für seine unzähligen Liebschaften bekannt. In Weimar schockierte er die Bürger der Stadt damit, dass er mit der den Zeitgenossen als vulgär und dumm geltenden Christiane Vulpius unverheiratet zusammenlebte. Erst nach 18 Jahren, 17 Jahre nach der Geburt ihres Sohnes August, heiratete das Paar.

WICHTIGE wERKE VON gOETHE

  • Die Leiden des jungen Werthers (Roman, 1774)
  • Torquato Tasso (Drama, 1789)
  • Wilhelm Meisters Lehrjahre (Roman, 1795/96)
  • Faust I (Drama, 1808)
  • Die Wahlverwandtschaften (Roman, 1809)
  • Dichtung und Wahrheit (Lebensbericht, 1811-1833)
  • West-östlicher Divan (Gedichte, 1819)
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