Französische Revolution

Französische Revolution
Französische Revolution

Die Französische Revolution erschütterte Europa bis in die Grundfesten – hatte es doch das Volk gewagt, einen König zu stürzen, die jahrhundertealte Ordnung über den Haufen zu werfen und selbst die Regierung in die Hand zu nehmen! Die Herrscher Europas bangten um ihre eigenen Throne und versuchten, die Revolution in Frankreich niederzuschlagen, bevor sie ganz Europa überrennen konnte. Am Ende kehrte wieder alles zu der „alten” Ordnung zurück, wo der König alles, das Volk nichts zu sagen hatte. Aber die Lunte war gelegt, und ein halbes Jahrhundert später sollte die Flamme der Revolution in ganz Europa lodern. Aber was brachte die Menschen in Frankreich eigentlich dazu, sich gegen die angeblich gottgewollte Ordnung zu erheben? Und machten sie es besser als die verhassten Könige?

VERNUNFT, GERECHTIGKEIT UND FREIHEIT!

Das späte 17. und vor allem das 18. Jahrhundert war das Zeitalter der Aufklärung. Philosophen wie John Locke, Voltaire und Immanuel Kant riefen die Menschen auf, nicht mehr wie bisher auf Gott und König zu vertrauen, sondern sich des eigenen Verstandes und der Vernunft zu bedienen, selbständig zu denken, sich von Vorurteilen und Zwängen zu befreien. Was Staat und Gesellschaft anbelangte, so legten die Philosophen der Aufklärung die geistigen Grundlagen für die moderne Demokratie: Sie forderten die Beteiligung aller Bürger an der Regierung ein, das Recht der Menschen auf Selbstbestimmung und die Anerkennung der naturgegebenen Menschenrechte. So erklärten sie – gut begründet – die Willkürherrschaft der Könige und Fürsten und die Unterdrückung ihrer Untertanen für unrechtmäßig; Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit für alle Bürger gleichermaßen war nun das Motto.

In den britischen Kolonien in Nordamerika bzw. den Vereinigten Staaten von Amerika wurde im Verlauf des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges (1775-1783) ein Großteil der Ideen der Aufklärung in die Wirklichkeit umgesetzt. 1776 erklärten die britischen Kolonien in Nordamerika ihre Unabhängigkeit vom Mutterland Großbritannien – und zwar deshalb, weil sie eben nicht an der Regierung beteiligt waren. Und in ihrer Unabhängigkeitserklärung schrieben sie einige der wesentlichen Grundsätze der Aufklärung fest wie etwa Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit und die Teilhabe aller an der Regierung.

Der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg und die Unabhängigkeitserklärung hatten bewiesen, dass die Ideen der Aufklärung nicht nur graue Theorie waren, sondern in ein lebendiges Staatswesen umgesetzt werden konnten. Diese Erfahrung verlieh den Gedanken der Aufklärung auch in Europa neuen Nachdruck.

FRANKREICH ging BANKROTT

Frankreich war seit geraumer Zeit finanziell am Ende. Die absolutistische Herrschaft seiner Könige, die teuren Kriege und die unglaubliche Prachtentfaltung des Hofes hatten das Land ausgeblutet. Die Steuerlast war drückend, der Großteil der Bevölkerung lebte in Armut, und gleichzeitig wurde die Kluft zwischen dem armen Volk und dem reichen Adel immer größer. Offenbar unbeeindruckt von der Not im Land führten König Ludwig XVI. und seine Gemahlin Marie-Antoinette ein ausgesprochen verschwenderisches Leben, der Geldbedarf des Königs war schier unermesslich.

1789 sah sich der König gezwungen, die Generalstände einzuberufen. Die Generalstände setzten sich aus Vertretern der drei Stände Klerus (Geistlichkeit), Adel und des so genannten „dritten Standes” zusammen. Der dritte Stand machte den größten Teil der Bevölkerung aus – etwa 98 Prozent – und umfasste alle, die nicht zu den beiden bevorzugten (privilegierten) Ständen Adel und Klerus gehörten; der arme Tagelöhner gehörte ebenso dazu wie der reiche Kaufmann. Trotzdem hatte der dritte Stand in den Generalständen nicht mehr Sitze als jeweils der Adel und der Klerus. Die wichtigste Aufgabe der Generalstände war es, den Steuern, die der König festsetzte, zuzustimmen. Allerdings waren die Generalstände seit 1614 nicht mehr einberufen worden; die Könige hatten seither selbstherrlich die Steuern festgesetzt. Nun aber war die Unzufriedenheit mit der Steuer- und Finanzpolitik des Königs so groß, dass der König nicht anders konnte, als die Generalstände einzuberufen.

Die NATIONALVERSAMMLUNG

Am 5. Mai 1789 traten in Versailles nahe dem prächtigen Königsschloss vor den Toren von Paris die Generalstände zusammen. Dem dritten Stand waren zwar doppelt so viele Sitze eingeräumt worden wie bisher, er stellte nun genau so viele Vertreter wie Adel und Klerus zusammen. Aber jeder Stand hatte nur eine Stimme, die beiden privilegierten Stände würden also weiterhin den dritten Stand überstimmen können. Deshalb forderte der dritte Stand nun, dass nicht mehr nach Ständen, sondern nach Köpfen abgestimmt werde, dass also jeder Abgeordnete eine Stimme habe. Diese Forderung stieß aber beim König auf taube Ohren.

Am 17. Juni 1789 erklärten sich daraufhin die Vertreter des dritten Standes in den Generalständen zur Nationalversammlung, also zur alleinigen Vertretung der ganzen Nation. Was dem König natürlich überhaupt nicht gefiel. Als sich die Abgeordneten des dritten Standes bzw. jetzt der Nationalversammlung drei Tage später erneut versammeln wollten, fanden sie sich vor verschlossenen Türen wieder – der König hatte ihren Versammlungssaal verriegeln lassen. Die Abgeordneten wichen ins benachbarte Ballspielhaus aus und schworen dort, nicht eher auseinander zu gehen, bis eine Verfassung verabschiedet sei. Dieser Schwur ging als „Ballhausschwur” in die Geschichte ein. Inzwischen waren auch schon eine ganze Reihe niedriger Adliger und Geistlicher zum dritten Stand „übergelaufen”.

Was ist der dritte Stand?

Zu Beginn der Französischen Revolution veröffentlichte Abbé Sieyès die Schrift Was ist der dritte Stand? (Qu'est-ce que le tiers état?), die fast schon zum Programm der Revolution wurde. In dieser Schrift heißt es: „Die 25 Millionen des dritten Standes gewährleisten durch ihre Arbeit den Bestand der Nation. Sie sind deshalb die ganze Nation. Die Angehörigen des Adels und der Kirche stehen außerhalb der Nation, weil sie nichts oder nur wenig zu ihrer Erhaltung beitragen. ... Was ist der dritte Stand? Alles. Was ist er bis jetzt in der politischen Ordnung gewesen? Nichts.”

DIE REVOLUTION BRICHT AUS

Am Ende blieb dem König nichts übrig, als die Nationalversammlung zu dulden. In der Zwischenzeit hatte er aber Truppen um Paris zusammengezogen und außerdem am 11. Juli seinen Finanzminister Jacques Necker, der beim Volk hoch angesehen war, entlassen. Die Empörung der Bevölkerung über die Willkür des Königs kannte nun keine Grenzen mehr, die seit Wochen gärende Stimmung entlud sich in einem Aufstand: Die Pariser gingen auf die Straße, plünderten Waffenlager und stürmten am 14. Juli 1789 die Bastille. Die Bastille war eine alte, als Staatsgefängnis genutzte Festung und symbolisierte wie kaum ein anderes Gebäude die königliche Willkürherrschaft, Tyrannei und Unterdrückung. Die Erstürmung der Bastille war das Signal zum Ausbruch der Revolution.

In Paris bildeten die Revolutionäre nun rasch eine Art vorläufige Regierung und schufen eine bewaffnete Bürger-Truppe, die Nationalgarde, um der Unruhen Herr zu werden. Zu ihrem Befehlshaber wählte die Nationalgarde den Marquis de Lafayette, der schon im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gekämpft hatte. Der König schien klein beizugeben: Er verzichtete darauf, seine Truppen gegen die Revolutionäre einzusetzen.

Unterdessen griffen die Unruhen von Paris aus auch auf das Land über und führten dort zum größten Bauernaufstand in der Geschichte Frankreichs. Aus Angst vor räuberischen Banden und Übergriffen des Adels bewaffneten sich die Bauern, stürmten die Schlösser der adeligen Grundbesitzer, steckten sie in Brand und trieben zahlreiche Adelige in die Flucht. Es war dies die Zeit der Grande Peur, der „großen Furcht”.

Blau-Weiß-Rot

Revolutionäre und die Nationalgarde hefteten sich als Zeichen ihrer revolutionären Gesinnung eine blau-weiß-rote Kokarde (ein rosettenförmiges Abzeichen) an. Blau und Rot waren die Farben der Stadt Paris, Weiß die Farbe des Königtums. Die Farben Blau-Weiß-Rot tauchten auch schon bald auf Fahnen auf, die „Trikolore” (die „Dreifarbige”) wurde zur Nationalfahne.

Abschaffung der alten GESELLSCHAFTSORDNUNG

Die Unruhen in Paris und auf dem Land hielten an. Deshalb erließ die Nationalversammlung in der Nacht vom 4. auf den 5. August 1789 eine grundlegende Verordnung, die die bisherigen Verhältnisse völlig umkrempelte. Sozusagen mit einem Federstrich schaffte sie das alte Feudalsystem ab, das bisher die Gesellschaftsordnung bestimmt hatte: Adel und Klerus verloren all ihre Privilegien, auch das Privileg der Steuerfreiheit, das sie bisher genossen hatten; die Leibeigenschaft wurde aufgehoben, und alle Bürger sollten gleichermaßen Zutritt zu allen Ämtern haben. Später wurde außerdem der gewaltige Besitz der Kirche zugunsten des Staates, der dringend Geld brauchte, eingezogen (Säkularisation) und der Erbadel abgeschafft.

Am 26. August 1789 erließ die Nationalversammlung die „Erklärung der Menschenrechte und Bürgerrechte”. Darin heißt es unter anderem, dass die Menschen „frei und gleich an Rechten” seien und dass alle Souveränität (Staatsgewalt) vom Volke ausgehe. Das absolutistische Königtum, in dem die Souveränität allein dem König zugekommen war, hatte ausgedient.

Eine neue Verfassung

Bis die Nationalversammlung auf der Grundlage der Erklärung der Menschenrechte und Bürgerrechte eine vollständige neue Verfassung verabschiedete, sollte es allerdings noch zwei Jahre dauern. In der Zwischenzeit blieb König Ludwig XVI. in Amt und Würden, und auch die Mehrheit der Nationalversammlung und die Masse des Volkes dachten nicht daran, die Monarchie (das Königtum) abzuschaffen – nur sollte dem König künftig nicht mehr so viel Macht zukommen. Dies änderte sich, als der König im Juni 1791 mitsamt seiner Familie ins Ausland zu fliehen versuchte. Aber schon in Varennes, nicht weit von Paris, wurde die inkognito reisende Königsfamilie erkannt, festgenommen, nach Paris zurückgebracht und der König vorübergehend seines Amtes enthoben. König und Königtum hatten durch diesen Fluchtversuch gewaltig an Ansehen verloren.

Am 3. September 1791 verabschiedete die Nationalversammlung endlich die neue Verfassung. Sie verwandelte Frankreich in eine konstitutionelle Monarchie. Das heißt, es gab weiterhin einen König; aber er hatte viel von seiner Macht eingebüßt. Zwar ernannte er weiterhin seine Minister, also die Regierung; die waren nun aber für alles, was sie taten oder unterließen, dem Parlament verantwortlich. Die größte Macht hatte nun das Parlament, die Nationalversammlung: Es beschloss Gesetze, die der König nicht mehr aufheben, durch sein Veto (Einspruch) lediglich aufschieben konnte; es bestimmte Steuern und Staatshaushalt; es konnte die Minister zur Verantwortung ziehen. Aber die Abgeordneten des Parlaments wurden nach dem Zensuswahlrecht gewählt, d. h., es durfte nur wählen, wer über ein bestimmtes Vermögen oder Einkommen verfügte, und das waren nur etwa 60 Prozent der Bürger. Ein glatter Widerspruch zur Erklärung der Menschenrechte und Bürgerrechte, in der von der Gleichheit aller Bürger die Rede war.

Am 14. September 1791 unterzeichnete Ludwig XVI. die Verfassung und nannte sich nun „König der Franzosen”. Aber er stellte sich immer wieder gegen die Nationalversammlung und brachte damit mehr und mehr Menschen gegen sich auf. Waren diejenigen, die sich für die Beibehaltung der Monarchie aussprachen, bisher noch in der Mehrheit, so gerieten sie nun allmählich in die Minderheit.

FRANKREICH GEGEN DEN REST EUROPAS

Seit Beginn der Revolution hatten die anderen europäischen Monarchen die Vorgänge in Frankreich mit Misstrauen und Besorgnis verfolgt – mussten sie doch befürchten, dass auch ihnen ein ähnliches Schicksal blühen könnte wie Ludwig XVI. Außerdem sahen sie sich verpflichtet, ihrem Kollegen in Frankreich gegen Parlament und Volk beizustehen und ihn wieder in seine alten Rechte einzusetzen. Insbesondere Österreich machte sich für Ludwig XVI. stark; immerhin war dessen Gemahlin Marie Antoinette die Schwester von Kaiser Leopold II.

Es gingen einige Drohungen zwischen der Nationalversammlung und Österreich hin und her, bis schließlich Ludwig XVI. am 20. April 1792 auf Anordnung der Nationalversammlung Österreich den Krieg erklärte. Dies war der Beginn der so genannten Koalitionskriege, die 15 Jahre lang fast ganz Europa in Atem halten sollten. Koalitionskriege heißen sie deshalb, weil jeweils wechselnde Koalitionen (Bündnisse) europäischer Staaten gegen das revolutionäre Frankreich kämpften.

Die Koalitionskriege

Obwohl zeitweise mehr als ein halbes Dutzend Staaten gemeinsam gegen Frankreich kämpften, war Frankreich am Ende nicht nur siegreich, sondern hatte sogar noch umfangreiche Gebiete hinzugewonnen. Im 1. Koalitionskrieg (1792-1797) schob Frankreich - nach einigen Rückschlägen - seine Ostgrenze bis zum Rhein vor und brachte Teile von Italien sowie das heutige Belgien und die Niederlande unter seine Herrschaft. Im 2. Koalitionskrieg (1798-1802) verlor Frankreich zunächst seine italienischen Eroberungen, gewann sie am Ende aber wieder zurück. Diese beiden Kriege werden auch als „Kriege der Französischen Revolution” bezeichnet. In den beiden folgenden Koalitionskriegen (1805 und 1806/07) befehligte Napoleon die französische Armee, weshalb sie oft auch unter die „Napoleonischen Kriege” eingereiht werden. Aus diesen beiden Kriegen sind vor allem zwei Schlachten in die Geschichte eingegangen: die Dreikaiserschlacht bei Austerlitz am 2. Dezember 1805 und die Doppelschlacht von Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806. Beide Male siegte Napoleon, und am Ende beherrschte Frankreich halb Europa.

Der Sturz vom König

Die französische Armee musste erste Niederlagen gegen die Österreicher und die mit ihnen verbündeten Preußen hinnehmen; zugleich verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage des Großteils der Bevölkerung immer mehr – genug Gründe für neuerliche Unruhen in Paris. Und als der Befehlshaber der österreichisch-preußischen Truppen auch noch erklärte, dass der Zweck des Krieges gegen Frankreich die Wiederherstellung der alten Macht des Königs sei, kannte der Volkszorn kein Halten mehr. Denn nun war Ludwig XVI. endgültig als Gegner der Revolution ausgemacht. Am 10. August 1792 stürmte das Pariser Volk die Tuilerien, das Schloss des Königs in Paris; der König wurde gefangen genommen und abgesetzt.

Es folgte die Zeit der so genannten Septembermorde: Allein in Paris wurden innerhalb weniger Tage über 1.300 Menschen hingerichtet, die als Feinde der Revolution und Anhänger des Königs verdächtigt wurden. Vor allem Adelige und Priester fielen der blutigen Abrechnung zum Opfer.

Wie Frankreich zur Republik wurde

Inzwischen wurde eine neue Versammlung gewählt, der Nationalkonvent, der eine neue, republikanische Verfassung ausarbeiten sollte. Diesmal durften alle Männer wählen. Am 21. September 1792 trat der Nationalkonvent zusammen und erklärte: „Das Königtum in Frankreich ist abgeschafft.” Frankreich war nun eine Republik.

Und der König? Er wurde am 21. Januar 1793 hingerichtet. Der Nationalkonvent hatte ihm den Prozess gemacht und ihn mit der Mehrheit seiner Stimmen zum Tod verurteilt. Woraufhin sich noch ein halbes Dutzend Länder den Österreichern im Krieg gegen Frankreich anschloss.

DER WOHLFAHRTSAUSSCHUSS REGIERT

Im Nationalkonvent waren die so genannten Girondisten die tonangebende Partei. Sie waren gemäßigt, hatten nur zögerlich für die Hinrichtung des Königs gestimmt und hielten an Recht und Verfassung fest. Aber da gab es auch noch die Jakobiner – so genannt noch ihrem Versammlungsort im Kloster Sankt Jakob in Paris. Sie waren radikal und wollten eine Republik nach ihren Vorstellungen durchsetzen, mit allen Mitteln, wenn es sein musste, auch mit Gewalt. Und sie hatten das Volk von Paris hinter sich.

Inzwischen verschlechterte sich die Lage in Frankreich weiter: Die Gegner Frankreichs waren wieder auf dem Vormarsch, das Brot wurde für viele Menschen unbezahlbar, die Hinrichtung des Königs hatte in den Provinzen Empörung hervorgerufen – es kam zu einem Aufstand. Angesichts all dieses Unheils übergab der Nationalkonvent im April 1793 die Regierung an den so genannten Wohlfahrtsausschuss und übertrug ihm sehr große Vollmachten. Das war ein 9-köpfiges Gremium und wurde von den Jakobinern beherrscht. Sein erster Vorsitzender war Georges Danton, der schon für die Septembermorde verantwortlich war. Schon bald wurden die Girondisten nicht nur aus dem Nationalkonvent verdrängt, sondern die meisten von ihnen auch verhaftet.

Girondisten, Montagnards, Jakobiner, Cordeliers, Feuillants...

Auch während der Französischen Revolution bestimmten schon Parteien das politische Geschehen und die Meinung - nur nannten sie sich damals „Klubs”. Die wichtigsten waren die Jakobiner, die Feuillants und die Cordeliers. Die Jakobiner waren die radikalsten Republikaner; zu ihnen gehörte u. a. Maximilien de Robespierre. Etwas weniger radikal waren die Cordeliers, deren bekannteste Mitglieder Georges Danton und Jean Paul Marat waren. Die Feuillants setzten sich für eine konstitutionelle Monarchie ein. Die Nationalversammlung wurde von zwei Fraktionen beherrscht: den gemäßigten Girondisten und den radikalen Montagnards (Bergpartei). Unter den Letzteren finden wir wieder Robespierre und Danton.

DER GROSSE SCHRECKEN UND SEIN ENDE

Ab dem Juli 1793 hatte der Jakobiner Maximilien de Robespierre die Führung des Wohlfahrtsausschusses inne. Er ließ alle Gegner der Republik unnachsichtig verfolgen und hinrichten – aber nicht um seiner eigenen Macht willen. Er wollte einen idealen Staat schaffen, in dem alle Menschen gleich waren und alle zu Tugend und Wahrhaftigkeit erzogen werden sollten. Wer diesen Werten nicht entsprach, wurde hingerichtet. Mehrere tausend waren es, insgesamt wohl an die 40 000, die dieser Grande Terreur („Großer Schrecken”) zum Opfer fielen. Darunter viele Girondisten und auch Danton. Hingerichtet wurden sie mit einem neuartigen Gerät, der Guillotine. Der Nationalkonvent billigte im Übrigen die Schreckensherrschaft, übertrug dem Wohlfahrtsausschuss sogar unbeschränkte Vollmachten.

Am Ende aber hatten die Franzosen genug von Robespierres Terror: Am 27. Juli 1794 wurde Robespierre gestürzt und am darauf folgenden Tag selbst auf der Guillotine hingerichtet. Viele seiner Parteigänger ereilte dasselbe Schicksal. Die Schreckensherrschaft war zu Ende, die Herrschaft übernahmen nun wieder gemäßigte Republikaner.

Die Erfindung des Doktor Guillotin

1789 erfand der Arzt Joseph-Ignace Guillotin (1738-1814) das nach ihm benannte Fallbeil, die „Guillotine”. Ihr Vorteil bestand darin, dass sie die zum Tod Verurteilten zuverlässig und in Sekundenschnelle vom Leben in den Tod beförderte - während die bis dahin üblichen Hinrichtungsinstrumente dem Verurteilten manchmal ein recht qualvolles und langwieriges Sterben bescherten. Die Guillotine galt deshalb als „human”, und sie entsprach dem revolutionären Grundsatz, dass alle Menschen gleich seien. Denn während bisher auch bei Hinrichtungen säuberlich nach Ständen unterschieden wurde - der einfache Mann kam an den Galgen, der Adelige wurde mit dem Schwert enthauptet -, landeten nun alle gleichermaßen auf der Guillotine, vom König bis zum Bettler.

DIE GROSSE VERÄNDERUNG

Seit der Ausrufung der Republik, insbesondere seit der Wohlfahrtsausschuss die Regierung übernommen hatte, wurden eine ganze Menge Neuerungen eingeführt, die Altgewohntes radikal umkrempelten. So galt seit dem 22. September 1792, dem Tag nach der Ausrufung der Republik, ein neuer Kalender: Jeder Monat bestand nun aus drei Dekaden (je neun Arbeitstage plus ein Ruhetag) und bekam einen neuen Namen; der neue Kalender begann mit dem Jahr 1. Die Religion sollte nach der Vorstellung Robespierres durch einen „Kult der Vernunft” ersetzt werden, und durch ein „Fest des höchsten Wesens” sollte dieser Kult gefeiert werden.

Angesichts der Bedrohung durch die Armeen der Koalition tat der Wohlfahrtsausschuss alles, um das Nationalgefühl der Bevölkerung zu stärken. Aber das genügte natürlich nicht, um die fremde Übermacht zu schlagen. Deshalb verfügte der Nationalkonvent im August 1793 die Levée en masse, die „Massenerhebung”: Es wurde die Wehrpflicht eingeführt, Tausende junger Männer konnten zur Armee eingezogen werden, die nun der Zahl und bald auch der Schlagkraft nach den gegnerischen Söldnertruppen weit überlegen war. Die Wehrpflicht galt fortan als Bürgerpflicht.

Die Sansculotten

Die Männer, vor allem die aus dem einfachen Volk, legten die engen Kniehosen ab und schlüpften - ganz ungewohnt - in lange, lockere Hosenbeine. Auf den Kopf setzten sie sich eine rote Mütze, die Jakobinermütze, die sie als Kämpfer für Freiheit und Gleichheit kenntlich machte. Von den „besseren” Leuten wurden sie als „Sansculotten” verspottet - sans culotte heißt „ohne Kniehose”.

DIREKTORIUM UND KONSULAT

Der Nationalkonvent machte sich nun an die Ausarbeitung einer neuen Verfassung. Er zog dabei Lehren aus der grausamen Diktatur (Willkürherrschaft) des Wohlfahrtsausschusses und beschränkte die Macht der einzelnen Staatsorgane. Die Regierung wurde nun gleichberechtigt von fünf Männern geführt, dem so genannten Direktorium. Das gleiche Wahlrecht wurde zugunsten des Zensuswahlrechts wieder abgeschafft, so dass nun erneut das Besitzbürgertum das Sagen hatte. Im Oktober 1795 löste sich der Nationalkonvent auf, und das Direktorium übernahm die Regierung.

Es gab Aufstände und versuchte Staatsstreiche von Monarchisten ebenso wie von radikalen Republikanern; aber mit Hilfe der Armee konnte sich das Direktorium dagegen behaupten. Bis es am 9. November 1799 von dem jungen, erfolgreichen General Napoleon Bonaparte tatsächlich gestürzt wurde. Napoleon führte sogleich eine neue Verfassung ein, die so genannte Konsulatsverfassung, und herrschte als „Erster Konsul” beinahe so unumschränkt wie der König, den die Revolution abgesetzt hatte. Um dem Ganzen einen Anstrich von Rechtmäßigkeit zu geben, ließ sich Napoleon durch eine Volksabstimmung in seinem neuen Amt bestätigen. Nur 1.500 Bürger stimmten gegen Napoleon, aber drei Millionen entschieden sich für ihn, – und mindestens ebenso viele gingen gar nicht zur Wahl. Fünf Jahre später krönte sich Napoleon zum „Kaiser der Franzosen”.

Auswirkungen

Zehn Jahre nach dem Beginn der Revolution hatte Frankreich wieder einen fast unumschränkten Herrscher und weitere fünf Jahre später sogar einen Kaiser. Aber viele Errungenschaften der Revolution überdauerten die Zeit und wirkten auch auf die anderen europäischen Staaten. Das absolute Königtum wurde nun auch außerhalb Frankreichs in Frage gestellt, die alte Gesellschaftsordnung war über den Haufen geworfen worden, Adel und Klerus waren entmachtet. Die Französische Revolution hatte ungeheure politische und kulturelle Veränderungen bewirkt, die auch auf das restliche Europa übergriffen. In Belgien und der Schweiz bildeten sich als erstes Republiken, die auf den Grundsätzen der neu formulierten Menschenrechte aufgebaut wurden. Die Menschenrechte und Bürgerrechte waren nicht mehr wegzudenken – und wurden 1804 im Code Napoléon oder Code civil, dem neuen französischen bürgerlichen Gesetzbuch, festgeschrieben. Das Gesetzbuch war auf Anordnung Napoleons zusammengestellt worden und gelangte durch Napoleons Eroberungszüge auch in andere Länder, z. B. nach Deutschland. Teile des Code Napoléon sind heute noch in Kraft.

Der Meter – eine Erfindung der Revolution

Am 1. August 1793 führte der Nationalkonvent metrische Maße ein und setzte damit dem Wirrwarr der alten, seit Jahrhunderten gültigen Längenmaße ein Ende. Statt Maßen wie Elle und Fuß, die praktisch überall unterschiedlich lang waren, gab es nun den einheitlichen Meter und die davon abgeleiteten Einheiten. Die meisten Staaten übernahmen später dieses metrische System; nur die angelsächsischen Länder behielten ihre alten Maßeinheiten bei.

Französische Revolution - Zusammenfassung

Der Lebensstil am Hof des französischen Königs Ludwig XVI. (1754-1793) und seiner Gattin Marie-Antoinette (1755-1793), der Tochter der österreichischen Kaiserin Maria Theresia, wurde immer aufwändiger. Schließlich geriet der König in Geldnot. Er berief die Generalstände ein und befahl ihnen mehr Geld zu verschaffen. Die Generalstände war eine Versammlung der Stände - Adlige, Klerus und dritter Stand (meist Bürger). Die Mitglieder der Versammlung begannen darüber nachzudenken, wie man Missstände in Frankreich allgemein lindern oder gar beseitigen konnte, doch das war nicht im Sinne des Königs. Sein Zeremoniemeister sollte die Versammlung wieder auflösen, doch die Mitglieder des Dritten Standes, die Bürger, ließen sich das nicht gefallen. Sie begründeten die Nationalversammlung und schworen, nicht vor der Vollendung einer Verfassung auseinander zu gehen (Ballhausschwur). Als der König seine Soldaten schickte, erstürmte das Volk 1789 die Bastille und befreite alle Gefangenen. Dieses Ereignis markiert den Beginn der Französischen Revolution.

Die Versammlung beschloss Reformen im Sinne der Aufklärung durchzusetzen. Für alle Menschen in Frankreich sollten die gleichen Pflichten und Rechte gelten und die gleichen Ämter offen stehen.

Als der König sich immer noch nicht in die neuen Verhältnisse fügen wollte, zog das Volk nach Versailles und brachte ihn und seine Familie nach Paris. Die Nationalversammlung nahm der katholischen Kirche und allen ins Ausland geflohenen Adligen per Gesetz ihren Grundbesitz. 1791 wurde die neue Verfassung ausgerufen, der König jedoch nicht abgesetzt. Man hatte ihm nur seine absolutistische Machtstellung genommen.

Die anderen europäischen Mächte sahen sich nun gezwungen einzugreifen, um dem französischen König beizustehen, doch sie taten es halbherzig und wurden von den französischen Truppen geschlagen.

Die Verfolgung der Royalisten (Königstreuen) nahm daraufhin zu. Ein eigens dafür eingerichtetes Revolutionstribunal verurteilte Menschen zur Hinrichtung durch die Guillotine, die ebenfalls extra dafür erfunden worden war. Alles, was an das Ancien régime ("alte Herrschaft") erinnerte, wurde abgeschafft - auch die Mode: Statt Perücken und Kniebundhosen trug man nun rote Zipfelmützen und Hosenröhren. Letztere tragen wir heute noch - es ist uns bekannte Hosenform.

Die Anführer der Volksmassen, Georges Danton und Maximilien de Robespierre, waren fanatische Männer. Sie verurteilten auch König Ludwig XVI. und seine Frau Marie Antoinette zum Tod durch die Guillotine. Das entsetzte Ausland schickte wieder seine Truppen nach Paris, doch diese wurden erneut geschlagen.

Nun hatte eine Schreckensherrschaft die Monarchie abgelöst. Robespierre ließ sogar seinen Weggefährten Danton köpfen, der ihn zu mehr Milde ermahnt hatte. Schließlich hatte das Volk genug vom Morden und Robespierre wurde selbst Opfer der Guillotine. 1795 wurde ein Direktorium gewählt, das Frankreich im Auftrag des Volkes regieren sollte.

 

Der Sturm auf die Bastille

Sturm auf die Bastille - Französische Revolution
Sturm auf die Bastille

Am 14.07.1789 ging das Volk in Frankreich auf die Straße und rief nach "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit!" (Liberté, Egalité, Fraternité). Es stürmte die Bastille und brachte damit die Französische Revolution ins Rollen. In Frankreich ist der 14. Juli heute noch ein Nationalfeiertag. Doch auch für das restliche Europa läutete der Tag eine Wende ein. Die Menschenrechte wurden ein zunehmend wichtiger Grundsatz für Verfassung, kaum ein Herrscher konnte sich gegen deren Einführung mehr wehren.

 

Ein neuer Kalender für die neue Zeit

Für die Revolutionäre war der Umbruch von 1789 der Beginn einer neuen Zeit. Um dies nach außen zu demonstrieren, führten sie einen neuen Kalender ein. Dieser war im Unterschied zum bisher gültigen gregorianischen Kalender nicht mit dem Christentum verbunden. Das Jahr wurde eingeteilt in zwölf Monate mit je 30 Tagen, wobei jede Woche zehn Tage hatte. Die Monate bekamen neue Namen, die sich an den Jahreszeiten orientierten. Die Zählung begann mit dem 22.09.1792, dem Tag der Ausrufung der Republik. Beispielsweise hieß es nun statt 24.07.1796: 6. Thermidor III (griech. thermés = "warm"). Ursprünglich sollte noch viel mehr umgestellt werden: der einzelne Tag in zehn Stunden zu je 100 Minuten zu je 100 Sekunden. Doch dann hätte man alle vorhandenen Uhren ersetzen müssen. Schließlich führte Napoleon 1806 den gregorianischen Kalender wieder ein.

Französische Revolution unter der Lupe

Die Französische Revolution zählt zu den bedeutsamsten und folgenreichsten Umbrüchen der Weltgeschichte. Meist erinnert man sich an die Erstürmung der Batille durch das Volk von Paris am 14. Juli 1789. Tatsächlich war dieser Vorfall aber nur ein spektakulärer Moment in einem fast ein Jahrzehnt anhaltenden Revolutionsprozess. Dieser gestaltete Frankreich grundlegend um, griff rasch auf ganz Europa und bald auf weite Teile der übrigen Welt über und markierte den Beginn einer neuen Zeit. Das Ancien Régime (frz. = "Alte Herrschaft") brach zusammen. An die Stelle der Privilegien für Adel und Geistlichkeit und der Monarchie von Gottes Gnaden trat die Idee der Gleichheit und Freiheit aller Menschen, des Verfassungs- und Rechtsstaats und der Trennung von Staat und Kirche. Vieles , was sich nun in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur wandelte, war bereits geraume Zeit im Keim angelegt, konnte sich aber erst jetzt schlagartig Bahn brechen.

Die Französische Revolution war das Resultat einer schon länger andauernden, umfassenden Staatskrise Frankreichs, die sich im Sommer 1789 dramatisch zuspitzte und schließlich gewaltsam entlud. Diese Krise spielte sich auf drei Ebenen ab: Erstens gab es einen Kampf um die politische Herrschaft, an dem neben König Ludwig XVI. (reg. 1744-1792) die adligen, kirchlichen und bürgerlichen Führungsschichten des Landes beteiligt waren. Zweitens brachen Unruhen in den Städten aus, weil Handwerker, kleine Geschäftsleute und Arbeiter unter einer Wirtschaftskrise mit Arbeitslosigkeit und Hungernot litten; hier wuchs während der französischen Revolution die zunehmend radikale Bewegung der Sansculotten heran. Drittens gerieten auch die Bauern in Aufruhr, die sich gegen ihre zunehmende Rechtlosigkeit und wirtschaftliche Not wehrten.

Gewöhnlich unterscheidet man drei Revolutionsphasen: Erstens die Révolution de la Liberté (frz. = "Revolution der Freiheit") in den Jahren 1789-1792: In dieser Zeit fallen die berühmte "Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte" vom 26.08.1789 und die erste geschriebene Verfassung Frankreichs vom 03.09.1791. DIese Phase machte Frankreich zum leuchtenden Vorbild für die aufgeklärte und liberale Bewegung in ganz Europa. Es folgte die Révolution de I´Egalité (frz. = "Revolution der Gleichheit") in den Jahren 1792-1794. Nun begannen die Kriege Frankreichs mit den benachbarten europäischen Monarchien, für die das revolutionäre Land eine wachsende Herausforderung darstellte; im Zusammenhang damit radikalisierte sich die Französische Revolution. Die Republik wurde ausgerufen, der König hingerichtet, die folgende "Schreckensherrschaft" der Jakobiner unter Führung von Maximilien de Robespierre (1758-1794) forderte über 30.000 Opfer, angebliche Gegner der Französischen Republik, die meist unter der Guillotine starben. Dritte und letzte Phase der Französischen Revolution ist die Zeit des Direktoriums (1795-1799), wie die Regierungsspitze Frankreichs nun hieß. Das durch Kriege und Terror erschöpfte Land sehnte sich nach einer stabilen Regierung und wirtschaftlicher Erholung, doch diese blieben zunächst aus. Immer wieder kam es zu Aufständen und abrupten Regierungswechseln. In dieser schwierigen Situation wuchs der Einfluss der Armee und aus ihr heraus gelangte schließlich Napoleon Bonaparte (1769-1821) am 9. November 1799 mit einem Staatsstreich an die Macht.

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