Evolution des Menschen

Evolution des Menschen
Evolution des Menschen

Was ist die Evolution des Menschen? Du hast dich sicher auch schon mal gefragt, wo die ersten Menschen eigentlich herkamen. Mit diesem Problem beschäftigen sich weltweit viele Forscher. Sie buddeln in der Erde, sieben und suchen Reste von Zähnen und Knochen unserer Vorfahren, vor allem Schädelknochen. Diese Arbeit ist sehr mühsam und dauert oft Jahre. Aber die Wissenschaftler sind darauf angewiesen, versteinerte Knochen und andere Überreste unserer Vorfahren zu entdecken. Denn diese Fossilien erzählen dem, der ihre Zeichen versteht, wie und wo die Menschen eigentlich entstanden.

DIE WIEGE DER MENSCHHEIT LIEGT IN AFRIKA

Zum Artikel: Wiege der Menschheit

Vor 7 bis 20 Millionen Jahren lebten in den Urwäldern Afrikas unsere affenähnlichen Ahnen. Diese Tiere waren vermutlich sowohl die Vorfahren der heute lebenden Menschen als auch der heute lebenden Schimpansen. Doch dann wurde das Klima in Afrika trockener. Die Urwälder wurden kleiner, und Steppen breiteten sich aus. Einige der baumbewohnenden Affen mussten sich in einem neuen Lebensraum zurechtfinden, in dem es keine Bäume, aber hohe Gräser gab.

 

UNSERE AFFENÄHNLICHEN AHNEN RICHTEN SICH AUF

Warum sich unsere Affenahnen schließlich auf die Hinterbeine stellten und auf zwei Beinen weitermarschierten, weiß keiner so genau. Doch war der aufrechte Gang sicher sehr vorteilhaft, um die weite Steppenlandschaft mit ihren hohen Gräsern überblicken und Raubtiere schneller entdecken zu können. Und die Hände wurden frei für neue Tätigkeiten wie z. B. Nahrung sammeln oder die Kinder tragen.

In Kenia fanden Wissenschaftler sechs Millionen Jahre alte Knochenreste. Der Bau des Oberschenkels lässt vermuten, dass es sich um die ersten Vormenschen handelt, die schon aufrecht gingen.

DER ÜBERGANG VOM TIER ZUM MENSCHEN

Vor über vier Millionen Jahren entstand in Afrika die Gattung Australopithecus (wörtlich: „südlicher Affe”). Diese Vormenschen markieren den Übergang zwischen Tier und Mensch: Sie gingen zwar alle aufrecht auf zwei Beinen wie ein Mensch, doch zeigten sie noch viele affenähnliche Merkmale. Ihr Gehirn war mit 400 bis 500 Kubikzentimetern (500 Kubikzentimeter sind ein halber Liter) kaum größer als das eines Schimpansen und nur etwa ein Drittel so groß wie das des heutigen Menschen. Der Kiefer und die Zähne waren deutlich größer. Bei einigen Arten ragten die Eckzähne über die anderen Zähne hinaus, wie dies auch bei heutigen Menschenaffen noch der Fall ist.

LUCY

1974 entdeckten Wissenschaftler in Ostafrika das bisher älteste und vollständigste Skelett einer Vormenschenfrau. Die Forscher nannten ihren Fund „Lucy”, weil sie im Lager gerade das Lied Lucy in the sky with diamonds von den Beatles hörten.

Diese Lucy wurde weltberühmt. Lange Zeit war nämlich nicht klar, ob sich zuerst der aufrechte Gang oder ein größeres Gehirn entwickelt hatte. Mit Lucy löste sich das Rätsel: Sie ging vor 3,2 Millionen Jahren eindeutig aufrecht, hatte aber noch ein Gehirn; dessen Größe dem eines Schimpansen vergleichbar ist.

Lucy ist wahrscheinlich nicht einer unserer direkten Vorfahren, sondern entstammte einer später ausgestorbenen Seitenlinie.

 

DER FRÜHE HOMO STELLT WERKZEUGE HER

Homo ist das lateinische Wort für Mensch. Der frühe Homo entwickelte sich vor etwa 2,5 Millionen Jahren in Afrika aus einer der dort lebenden Vormenschenarten. Mit 700 Kubikzentimetern war sein Gehirn deutlich größer als das des Australopithecus, aber es war immer noch nur halb so groß wie das des modernen Menschen. Der Kiefer war noch schnauzenartig vorgewölbt, und die Stirn war flach und fliehend.

Die ersten Menschen verständigten sich wahrscheinlich mit Zeichen und Gesten. Richtig sprechen konnten sie wohl nicht, da ihr Kehlkopf für so unterschiedliche Lautäußerungen zu hoch saß.

Pflanzen waren immer noch die Hauptnahrung des frühen Homo, aber er aß wahrscheinlich auch schon Fleisch. Ob er jedoch erfolgreich auf die Jagd ging oder nur zufällig herumliegendes Aas suchte, wissen wir nicht. Er benutzte auf jeden Fall selbst hergestellte Steinwerkzeuge zum Schneiden von Fleisch oder Zerschlagen von Knochen.

Ein Vertreter des frühen Homo ist der „geschickte Mensch”, der Homo habilis. Den Namenszusatz „geschickt” erhielt er, weil man von ihm hergestellte Steinwerkzeuge fand. Diese ersten Werkzeuge waren grobe Geröllsteine, von denen flache Stücke so abgehauen wurden, dass Spitzen oder scharfe Kanten entstanden. Mit 150 Zentimeter Körpergröße war der „geschickte Mensch” deutlich kleiner als die Menschen heute, und er war auch viel stärker behaart.

 

DER „AUFRECHTE MENSCH” VERLÄSST AFRIKA

Aus dem frühen Homo entwickelte sich vor circa 1,8 Millionen der „aufrechte Mensch” (Homo erectus). Lasst euch von dem Namen „aufrechter Mensch” nicht verwirren. Wie wir weiter oben gesehen haben, gingen unsere Vorfahren schon viel früher aufrecht. Die Namensgebung hat geschichtliche Gründe.

Der Schädel des Homo erectus wurde dem Schädel des heutigen Menschen immer ähnlicher. Bei frühen Formen war das Gehirn gerade mal 800 Kubikzentimeter groß, bei späteren Vertretern erreichte es mit bis zu 1 250 Kubikzentimetern schon fast moderne Größe. Doch mit ihrer flachen, fliehenden Stirn, den kräftigen Überaugenwülsten, dem großen Kiefer und dem fehlenden Kinn unterschieden sie sich doch noch deutlich von den heutigen Menschen.

Der „aufrechte Mensch” war schon recht fortschrittlich. Als typische Werkzeuge jener Zeit fertigte er Faustkeile an, um z. B. Fleisch zu zerschneiden. Auch bei der Jagd auf Großwild wie etwa Elefanten war er erfolgreich, wie Knochenfunde beweisen.

Der Homo erectus war der erste Mensch, der Afrika verließ und nach Asien und später auch Europa wanderte. Im Verlauf von Hunderttausenden von Jahren entwickelten sich nun in den verschiedenen Regionen der Erde unterschiedliche Formen des aufrechten Menschen.

 

DIE ENTDECKUNG DES FEUERS

Die Besiedlung kühlerer Länder war erst durch die Nutzung des Feuers möglich. Die neu entdeckte Kunst des Feuermachens nahm im täglichen Leben eine wichtige Rolle ein. Feuer wärmte nicht nur, sondern machte durch Braten oder Kochen die Nahrung leichter verdaulich und schmackhafter; Krankheitserreger wurden dabei ebenfalls abgetötet. Feuer hielt auch Raubtiere ab und diente bei der Jagd dazu, die Tiere in Fallen zu treiben.

 

DER FRÜHE HOMO SAPIENS IN DER EISZEIT

Vor etwa 300 000 Jahren entstand der frühe Homo sapiens, das bedeutet „weiser Mensch”. Diese frühe Form breitete sich in großen Teilen der Welt aus. Vertreter dieser Art sind dir wahrscheinlich als Neandertaler bekannt. Ausgestattet mit moderner Kleidung, würde ein Neandertaler in einer modernen Stadt wohl kaum auffallen, trotz seines etwas größeren Schädels, des fliehenden Kinns und der ausgeprägten Überaugenwülste.

An das kältere Klima der Eiszeit war der Neandertaler mit seinem stämmigen, kräftigen Körperbau extrem gut angepasst. Als guter Jäger konnte er die damals häufigen Großwildtiere wie Mammuts erlegen. Er kleidete sich in Felle und war wahrscheinlich einer einfachen gesprochenen Sprache mächtig. Die Neandertaler hatten auch schon richtige Bestattungsriten für ihre Toten.

Die modernen Menschen sind nicht die Nachfahren der Neandertaler, wie Untersuchungen der Erbsubstanz beweisen. Der Neandertaler starb weltweit aus unbekannten Gründen aus.

 

DER MODERNE HOMO SAPIENS MACHT SICH DIE GANZE ERDE UNTERTAN

Der Schauplatz für die letzten Schritte der Menschheitsentwicklung ist wieder Afrika. Nur dort entwickelte sich vor über 100 000 Jahren der moderne Homo sapiens, also Menschen wie du und ich. Sie wanderten aus Afrika aus und trafen z. B. in Asien auf Formen des Homo erectus, in Europa auf den Neandertaler. Nur der moderne Homo sapiens hat diese Begegnungen überlebt. Ob kriegerische Auseinandersetzungen oder andere Gründe zum Aussterben der früheren Menschenarten führten, wissen wir nicht. Vor ungefähr 20 000 Jahren erreichte der moderne Mensch schließlich auch Amerika.

 

DER MODERNE HOMO SAPIENS ENTWICKELT EINE KULTUR

Der moderne Homo sapiens entwickelte immer perfektere Jagdmethoden. Er sammelte Pflanzen, machte Lebensmittel z. B. durch Trocknen oder Räuchern haltbar und lagerte sie für schlechtere Zeiten wie etwa den Winter ein. Durch bessere Zusammenarbeit und Prinzipien der Arbeitsteilung stand nicht mehr nur der tägliche Kampf ums Überleben im Vordergrund. Der Mensch beschäftigte sich nun erstmals mit Dingen, die nicht lebensnotwendig waren. In Höhlenmalereien zeigten sich z. B. erste Formen der Kunst. Das Denken wurde wahrscheinlich im Wechselspiel mit der gesprochenen Sprache immer planender und vielschichtiger. Religion und Glaube an Zauberei prägten das Weltbild.

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