Echnaton und Nofretete

Echnaton und Nofretete
Echnaton und Nofretete

Jahrhundertelang glaubten die Menschen an viele verschiedene Götter. Sie verliehen allem, was sie erschreckte oder entzückte, was ihnen unlösbare Rätsel aufgab, was über Leben und Tod entschied, eine göttliche Gestalt. Ihre Herkunft aus der Natur verraten die Mischgestalten der ägyptischen Götter. Viele waren halb Mensch, halb Tier. Echnaton aber glaubte an nur einen Gott. Er versuchte diesen Glauben in Ägypten durchzusetzen und gilt als Wegbereiter des Monotheismus.

Die Kultur des alten Ägypten entfaltete sich, von Wüsten umgeben, zu beiden Seiten des Nils, dessen Hochwasser alljährlich die Felder tränkte. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot nannte die Überschwemmungen ein "Geschenk des Nils", da sie fruchtbaren Schlamm auf den Äckern verteilten. Die Ägypter waren auf den Nil und seine Hochwasser angewiesen. Gelenkt und überwacht wurde das von einer mächtigen Priesterschaft und dem Pharao. Der Pharao, der Herrscher des Landes, wurde als Sohn Gottes oder auch als Gott selbst verehrt. Im Laufe der ägyptischen Geschichte ermöglichten Verkehrswege Verbindungen zu anderen Kulturen. Sie dienten dem Handel und diplomatischen Beziehungen zu Nachbarstaaten. Als den Ägyptern mit dem Reich der Hethiter, das in der heutigen Türkei liegt, ein mächtiger Rivale erwuchs, nutzte man sie auch als Heerstraßen.

Es gibt nur einen Gott

Unter Pharao Amenophis III. (1402-1364 v. Chr.) gelangte das Neue Reich zu seiner größten Ausdehnung und Pracht. Zugleich zerfiel die Macht der führenden Priesterschaft, die den Gott Amun als höchsten Gott und als eine Art Reichsgott verehrte. Amenophis IV. - später Echnaton - geriet mit diesem erblichen Adel bald nach seinem Regierungsantritt 1364 v. Chr. in Konflikt. Der Sohn von Amenophis III. und Teje, die sein Vater zur Hauptfrau gemacht hatte, obwohl sie nicht adlig war, stützte deshalb seine Macht auf einen neuen Adel. Er bestand aus seinen treuesten Dienern, vor allem Kriegern, die er in den Adelsstand erhoben hatte. Zu einem völligen Zerwürfnis mit der bis dahin herrschenden Priesterschaft kam es, als Amenophis IV. (Echnaton) sich vom Reichsgott Amun abwandte und eine neue Religion ins Leben rief. Von nun an huldigte er ausschließlich dem Sonnengott Re. Auch dieser Gott, dessen Haupt in bildlichen Darstellungen die goldene Sonnenscheibe Aton schmückt, wurde wie Amun schon lange Zeit von den Ägyptern verehrt. Amenophis IV: stützte seine Macht vollständig auf den Kult um den Sonnengott. Er erklärte sich zu seinem Sohn und nahm sogar einen neuen Namen an. Statt Amenophis ("Amun ist zufrieden") nannte er sich nun Echnaton ("der dem Aton dient"). Er förderte eine neue Priesterschaft und verlegte die Hauptstadt Ägyptens von Theben nach Amarna. Seine Zeit bezeichnet die Kunstgeschichte deshalb auch als "Amarna-Kultur". Die Herrscherbilder kommen realistischen Porträts sehr nahe. Frauen nahmen eine bedeutende Rolle im öffentlichen Leben ein. An Echnatons Seite stand seine schöne Gemahlin Nofretete, die den Sonnenkult ihres Mannes aktiv unterstützte. Wie Echnaton gilt sie als eine Wiedergeburt Atons auf Erden. Nofretete war eine Halbschwester Echnatons und ihre Verbindung eine der vorgeschriebenen Geschwisterehen. Zusammen hatte das Paar sechs Töchter.

Echnaton brach mit vielen uralten Traditionen. Natürlich nahmen die Amun-Priester seine Reformen nicht kampflos hin. Um ihren hartnäckigen Widerstand zu brechen, löste Echnaton ihre Tempelbezirke auf. Doch der Sonnenkult Echnatons währte nur so lange, wie er selbst an der Macht war. Er starb jung und die beiden Schwiegersöhne des Paares, die kurz nacheinander regierten, ließen sich von den Amun-Priestern dazu bringen, Echnatons religiöse und politische Reformen rückgängig zu machen und alles, was daran erinnerte, zu zerstören. Vor allem Tutanchamun, der bis 1338 v. Chr. regierte, stand unter dem Einfluss der Amun-Priester.

Das Zerwürfnis zwischen Echnaton und der alten angestammten Amun-Priesterschaft brachte die ägyptische Theokratie (eine Herrschaftsform, in der die Priester herrschen) ins Wanken, ohne dass eine andere Herrschaftsform vorstellbar war. Der Sonnenkult des Pharao gilt als eine Vorform des Monotheismus (nur ein Gott). Allerdings zeigte schon der Amun-Kult eine Neigung, einen einzigen Gott allen vorzuziehen. Gerade deshalb bedeutete der Kult um Aton eine große Bedrohung. Die Bevorzugung eines Gottes ist noch kein Monotheismus. Aber sie ebnet der Vorstellung, dass es nur EINEN Gott gebe, den Weg.

Echnaton und Nofretete - Vorbilder für die Christen

Es wird angenommen, dass die jüdische Religion, die nur einen Gott kennt, auf das Vorbild von Echnatons Kult um den Sonnengott Re zurückgeht. Moses, der unter Pharao Ramses II. (1290-1224 v. Chr.) das jüdische Volk aus Ägypten herausführte (um 1280 v. Chr.), setzte erstmalig die Verehrung eines einzigen Gottes durch.

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