Australien

Australien - Kontinent
Australien

Wer durch ganz Australien reisen will, der braucht vor allem viel Zeit. Denn schon um mit dem Auto von Küste zu Küste zu gelangen, sind mehrere Tage einzuplanen. „Down under”, so der Kosename für Australien, ist fast 20-mal größer als Deutschland. Wegen seiner gewaltigen Ausdehnung gilt es auch als eigener Erdteil. Oft wird Australien als „fünfter Kontinent” bezeichnet.

Groß ist auch die Hitze. Für Aufenthalte im Freien sind Sonnenmilch und Kopfbedeckung geradezu Pflicht, vor allem zwischen Dezember und Februar. Die starke Sonnenstrahlung ist sehr aggressiv, weil die schützende Ozonschicht über Australien dünn ist. Während wir in Europa oft weiße Weihnachten mit Schnee erleben, feiern die Australier zur Zeit der größten Hitze im Dezember heiße Weihnachten.

Wenn es dann zusätzlich wochenlang nicht regnet, steigt die Gefahr von Buschbränden. Das betrifft vor allem die Steppen sowie die Bergwälder der Great Dividing Range im Osten des Kontinents. Gerade in den letzten Jahren fielen große Waldbestände den Flammen zum Opfer. Neben der großen Hitze spielt dabei auch Brandstiftung eine Rolle.

Die weiten Wüsten mit ihren Salzseen im Landesinneren sind nicht so stark gefährdet, dort gibt es ohnehin nur sehr wenig Vegetation. Dafür ragt in dieser unendlich scheinenden Ödnis ein ganz besonderer Berg auf, der Ayers Rock. Für die Ureinwohner, die den roten Sandsteinberg Uluru nennen, gilt der 348 Meter hohe Koloss als heilig. Wer ihn umrunden will, muss etwa neun Kilometer zurücklegen.

Ayers Rock in Australien - Draufsicht
Ayers Rock in Australien

Zum Staat Australien – offiziell heißt er „Australischer Bund” – gehören auch viele vorgelagerte Inseln. Die größte von ihnen ist Tasmanien südöstlich der Hauptinsel. Daneben existieren noch eine Reihe winziger Eilande, z. B. Christmas Island (Weihnachtsinsel). Diesen Namen erhielt sie, weil sie an Weihnachten 1643 erstmals von Europäern gesichtet wurde.

Gefährdung durch die Sonne

Die Sonneneinstrahlung ist so intensiv, dass sich viele Menschen nur bekleidet am Strand aufhalten oder mit einem T-Shirt ins Meer gehen.

Etwas Daten und Fakten

Australien ist der kleinste Erdteil. Mit den Inseln Tasmanien, Neuguinea, Neuseeland und der Inselwelt Ozeaniens wird er zu "Australien und Ozeanien" zusammengefasst. Insgesamt erstreckt sich dieser Kontinent über eine Fläche von 8,937 Millionen Quadratkilometer und hat rund 34 Millionen Einwohner. Den überwiegenden Teil der Bevölkerung stellen die Nachkommen der europäischen Einwanderer.

Das eigentliche Australien und Tasmanien bilden zusammen Festlandaustralien. Dieses liegt beiderseits des südlichen Wendekreises. Es hat eine Fläche von 7,68 Millionen Quadratkilometer und ca. 20 Millionen Einwohner. Die größte West-Ost-Ausdehnung beträgt rund 4.000 km, die größte Nord-Süd-Erstreckung mehr als 3.700 km. Festlandaustralien ist der einzige Kontinent, der aus nur einen Land besteht. Die Hauptstadt ist Canberra.

Großes Land mit wenig Einwohnern

Australien ist nur wenig kleiner als Europa. In Europa leben jedoch ca. 740 Millionen Menschen, auf dem australischen Festland dagegen nur rund 20 Millionen. Selbst wenn man Australien mit der Inselwelt Ozeaniens zusammenfasst, ergibt sich nur eine Zahl von ca. 34 Millionen Einwohnern. Dies ist ebenfalls nur ein Bruchteil der Bevölkerungszahl Europas.

Geografie von Australien

Der massige Kontinent hat wenig gegliederte Küsten. Nur an der Südwest- und Südost-Küste gibt es geeignete Hafenbuchten. Hier verteilen sich die Haupthäfen Sydney, Melbourne, Fremantle, Newcastle und Geelong. Am nördlichen Ostküstenabschnitt, der durch offene Buchten mit weiten Sandstränden geprägt wird, ist das große Barriereriff vorgelagert. Es zieht sich rund 2.000 km an der Küste entlang, ragt zum Teil 300 km weit in die Korallensee hinaus, weshalb kein einziger größerer Hafen entstehen konnte.

Der geografische Aufbau des Kontinents ist relativ einfach. Im Westen befindet sich ein trockenes, zum Teil wüstenartiges Tafelland. Im Osten, der genügend bewässert ist, findet sich Teils Gebirge, teils Hügelland. Hier sind die australischen Kordilleren mit Höhen bis zu 2.230 m, das Neu-England-Gebirge und die Blauen Berge sowie ganz im Süden die Snowy Mountains, das Gebirge mit der höchsten Erhebung Australiens, dem 2.234 m hohen Mount Kosciusko. Das Landesinnere ist durch Wüsten und Buschland gekennzeichnet. Sehr zentral liegt der Ayers Rock, ein berühmter Berg, der zu den Wahrzeichen Australiens zählt. Der Kontinent hat nur ein einziges großes Flusssystem, den Murray-Darling. Die übrigen Flüsse (Creeks) führen meist nur zeitweise Wasser. Im Süden finden sich Seen ohne Abfluss zum Meer, wie der Eyre- und der Torrens-See sowie viele Salzsümpfe.

Klima in Australien

Klimatisch gesehen gehört der Norden Australiens zu den Tropen, der Süden zur gemäßigten Zone. Das Landesinnere zählt zum subtropischen Trockengürtel.

Tierwelt in Australien

Die Tierwelt weist viele Besonderheiten auf. Australien ist die Heimat der Kängurus. Es wird geschätzt, dass rund 40 Millionen dieser Beuteltiere über die Insel hüpfen – das sind ungefähr doppelt so viele, wie es Menschen gibt. Kängurus leben von Natur aus nur in Australien und auf einigen benachbarten Inseln – sonst in keinem anderen Land der Erde. Dies trifft auch auf viele andere Tiere zu, darunter Koalas, Schnabeltiere, Emus oder Blauzungen (das sind große Echsen mit einer blauen Zunge).

Es gibt in Australien nicht nur harmlose, sondern auch eine Menge gefährlicher Lebewesen. Zu ihnen gehören zahlreiche giftige Spinnen- und Schlangenarten sowie Krokodile, die gelegentlich auch Menschen angreifen. Und im Great Barrier Reef, dem größten Korallenriff der Welt, tummeln sich neben mehr als 1.500 harmlosen Fischarten auch Haie.

Die weitaus meisten australischen Pflanzenarten kommen nirgendwo sonst auf der Welt vor. Besonders Eukalyptusbäume sind weit verbreitet. Koalas ernähren sich von den Blättern und Blüten, entsprechend gerne turnen diese Tiere in den Eukalyptuswäldern im Osten des Landes herum. Im Nordosten wächst dichter Regenwald mit vielen Farnen und Bäumen, die auch im Winter nicht ihr Laub abwerfen. In den Steppen und Savannen hingegen herrschen Gras- und Buschland vor, nur vereinzelt gedeihen dort auch Bäume. Im Süden Australiens wachsen Bäume, deren Verwandte wir auch aus mitteleuropäischen Wäldern kennen: Kiefern, Buchen und Fichten.

Vor der Ostküste treiben manchmal so riesige Schwärme giftiger Quallen im Wasser, dass in Radio und Fernsehen vor dem Baden gewarnt wird. Da gibt es dann – ähnlich wie bei der Wettervorhersage – Hinweise, in welche Richtung die Tiere in den nächsten Tagen treiben werden.

Wirtschaft in Australien

So viele Schafe wie in Australien gibt es nirgendwo sonst auf der Erde: Über 150 Millionen Tiere ziehen in riesigen Herden über das Land. Schafzüchter passen auf, dass die Schafe nicht von Dingos (Wildhunden) angegriffen werden. Um derartige Angriffe zu vermeiden, hat man an manchen Stellen kilometerlange Zäune errichtet.

Besondere wirtschaftliche Bedeutung für Australien haben neben der Tierhaltung auch Bodenschätze. Und davon gibt es jede Menge: Kohle, Eisenerz, Diamanten und Gold sind die wichtigsten Rohstoffe aus dem Erdinneren. Auch auf der Erdoberfläche wachsen wichtige Produkte, z. B. Weizen aber vor allem Weintrauben. Das warme und trockene Klima Australiens lässt einige Sorten gedeihen, die zu begehrten Weinen verarbeitet werden. Der schmeckt auch vielen Touristen, die ihren Urlaub in Australien verbringen – selbst wenn die Anreise sehr lange dauert.

Einwohner von Australien

Bezogen auf die Landesfläche ist die Einwohnerzahl sehr gering. Ungefähr 20 Millionen Menschen wohnen in Australien, nicht einmal ein Viertel so viel wie in Deutschland. Etwa 90 Prozent der „Aussies”, wie sich die Australier nennen, wohnen in den wenigen großen Städten an den Küsten. Das auch als Outback bezeichnete Landesinnere ist dagegen weitgehend menschenleer.

Bekannteste und größte Stadt ist Sydney. Sie liegt im Südosten des Landes direkt am Meer. Dort steht auch ihr berühmtestes Gebäude: das in Form von Muschelschalen gestaltete Opernhaus. In Sydney fanden im Jahr 2000 die Olympischen Sommerspiele statt. Auch Melbourne, Brisbane, Perth und Adelaide sind Millionenstädte. Vergleichsweise klein ist dagegen die Hauptstadt Canberra, die sich etwa 250 Kilometer südwestlich von Sydney im bergigen Landesinneren befindet.

Die Vorfahren der meisten hellhäutigen Australier sind übrigens Briten. Das liegt daran, dass vor gut 200 Jahren englische Sträflinge hierher verfrachtet wurden. Man nutzte die riesige Insel einfach als Gefängnis, weil man ansonsten kein Interesse an dem kargen Land hatte. Englisch wurde zur offiziellen Sprache. Das australische Englisch verwendet viele eigene Wörter und Ausdrücke.

„Flying Doctors”

Wenn jemand im Outback ernsthaft erkrankt, kommen die Ärzte nicht mit dem Auto, sondern mit dem Flugzeug. Sie werden deshalb auch „Flying Doctors” genannt.

Ureinwohner in Australien

Zu den indigenen Völkern Australiens gehören zwei Gruppen: die als Aborigines bekannten Bewohner des Kontinents sowie die Torres-Strait-Insulaner. Dabei handelt es sich nicht um Völker, sondern um Völkergruppen, die viele verschiedene Stämme und Kulturen umfassen. Diese haben jeweils eine eigene Bezeichnung für ihr Volk. Obwohl die Ureinwohner vermutlich aus den südostasiatischen Raum kamen, besteht keine Verwandschaft zu anderen asiatischen, polynesischen oder melanesischen Stämmen.

Die Wissenschaft geht davon aus, dass die ersten Menschen vor 40.000 oder gar 50.000 Jahren im wahrsten Sinne des Wortes in Australien einwanderten: Damals war die australische Landmasse noch durch eine Landbrücke mit der Insel Neuguinea verbunden; diese hatten die Siedler über die südostasiatische Halbinsel erreicht. Möglicherweise waren die frühen Einwanderer auch über das Meer gekommen.

Australiens Klima ist extrem heiß und trocken, große Teile des Kontinents bestehen aus Wüste. Weder Wasser noch Nahrung gibt es im Überfluss, Gifttiere und -pflanzen dafür umso mehr. Die Ureinwohner lebten im Einklang mit dieser feindlichen Natur. Alle indigenen Stämme waren Jäger und Sammler, an Küstengebieten auch Fischer; ihre bevorzugten Jagdwaffen waren Speere und Bumerang. Die meisten Völker lebten halbnomadisch, d. h. sie zogen zu bestimmten Zeiten immer wieder zu den gleichen Plätzen, dem Nahrungsangebot der Jahreszeit entsprechend. Vor allem die Bewohner sehr trockener Landstriche lebten komplett nomadisch. Die australischen Ureinwohner betrieben sehr wenig bis keinen Ackerbau und das einzige Nutztier war der Dingo, der australische Wildhund. Sie praktizierten jedoch eine kontrollierte Verbrennung des Landes, das fire stick farming. Durch kontrollierte Brände sollten Wachstum und Ausbreitung bestimmter Gewächsarten begünstigt werden, essbare Pflanzen oder bevorzugte Nahrung für Beuteltiere, um diese anzulocken. Zudem erleichterte ein Abbrennen der Vegetation Jagen oder Reisen; die Gefahr von Buschbränden, die in Australien häufig vorkommen, wurde eingeschränkt.

Man lebte zusammen in Gemeinschaften von bis zu 500 Personen, die in kleinere Verbände unterteilt wurden. Häufig kam es zu Kämpfen wegen territorialer Besitzansprüche. Den größten Einfluss in der Gesellschaft hatten die Stammesältesten, im Aborigines-Englisch allgemein elders genannt. Dieser Titel musste nicht unbedingt mit dem Alter zusammenhängen; jeder, der ausreichend Klugheit, Wissen und Lebenserfahrung besaß, konnte von der Gemeinschaft zum elder gewählt werden.

Das zentrale Thema in der Aborigine-Religion ist die dreamtime, die "Traumzeit". Dieser komplexe, kaum zu erklärende Begriff umfasst die Zeit der Entstehung der Welt, Leben und Wirken der Vorfahren, er erstreckt sich aber auch bis in die Gegenwart: Traumzeit bedeutet auch den schöpferischen Prozess des Lebens, in dem alles miteinander verbunden ist. In jedem wohnt etwas Unsterbliches, das über das Leben des Individuums fortdauert. Treffender wäre daher eine Übersetzung mit "Parallelzeit". Für die Aborigines ist es wichtig, im Einklang mit den Kräften zu leben, die den Lauf der Zeit bestimmen. Deshalb gibt es strenge Regeln und Gesetze wie zum Beispiel das Verbot bestimmter Nahrungsmittel für die Gemeinschaftsmitglieder.

Die Schöpfungsgeschichte der Traumzeit beinhaltet viele Mythen, die bei den einzelnen Völkergruppen voneinander abweichen. Die Geschichten handeln davon, wie die Ahnengeister der Vorzeit, z. B. der Känguru-Mann und die Laubvogel-Frau, die Erde formten, die Menschen erschufen und sie das Überleben lehrten. Eine der wichtigsten Gestalten ist die Regenbogenschlange, ein Fruchtbarkeitsgeist, der Zerstörer und Schöpfer zugleich ist.

Schrift kannten die australischen Ureinwohner nicht, dagegen spielte Kunst eine umso bedeutendere Rolle in der Gesellschaft. Erhalten sind uns zahlreiche Felsmalereien und Schnitzkunstwerke, die Motive aus der Mythologie zeigen.

Aborigines Heute

Australien war schon lange vor der Ankunft der ersten Europäer bewohnt. Die Aborigines genannten Ureinwohner kamen von Indonesien oder China auf die Insel. Die meisten Aborigines wurden von den weißen Siedlern brutal vertrieben oder getötet. Viele starben auch an den Krankheiten, die die britischen Siedler ins Land eingeschleppt hatten.

Früher siedelten die Ureinwohner in allen Teilen Australiens, heute lebt der Großteil im wüstenhaften Landesinneren. Das Verhältnis zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen hat sich zwar verbessert, von einer fairen Gleichstellung der Ureinwohner kann aber immer noch keine Rede sein. Die meisten Aborigines haben mittlerweile die Lebensgewohnheiten der Weißen angenommen. Einige sind aber noch wie ihre Vorfahren Jäger und Sammler, sie bemalen sich bei Festen am Körper und tanzen um einen Totempfahl. Die Musik stammt dann aus einem Didjeridu; diese langen Holzrohre erzeugen beim Hineinblasen dumpfe Töne.

Viele Aborigines pflegen die künstlerische Tradition ihrer Vorfahren und stellen nach den alten Vorbildern zahlreiche Gegenstände her. Dazu gehören bemalte Speere, Blasrohre und Bumerangs. Die Bumerangs wurden als Wurfwaffe verwendet, heute dienen sie als Sportgerät. Mit dem Verkauf dieser kleinen Kunstwerke verdienen sich die Aborigines etwas Geld.

Die Besiedlung Ozeaniens

"He ao! He ao!" - "Eine Wolke! Eine Wolke!", rief die Frau des Navigators Kupe, als sie nach langer, entbehrungsreicher Fahrt in Kanus übers Meer eine Wolke entdeckte, hinter der sich die heute als Neuseeland bekannten Inseln verbargen.

So ereignete sich der Sage nach die Entdeckung Neuseelands. Neuseeland gehört wie beispielsweise Hawaii zu der Inselgruppe Polynesiens. Polynesien, Mikronesien und Melanesien fast man unter der Bezeichnung Ozeanien zusammen. Dieses Gebiet liegt im südwestlichen Pazifik. Es wird dem Erdteil Australien zugerechnet.

Woher und wann die Inseln Ozeaniens besiedelt wurden, weiß man nicht - es fehlen jegliche schriftliche Quellen. In den letzten Jahren hat sich die Meinung durchgesetzt, dass seit 4.000 v. Chr. Völker aus Südostasien über den westlichen Pazifik in Richtung Osten vordrangen. Wegen der riesigen Entfernungen, die die frühen Siedler auf hoher See zurücklegten, zog sich die Inbesitznahme der Inseln über einen enormen Zeitraum hin: Auf Neuseeland fassten die Einwanderer erst im 14. Jahrhundert Fuß!

Die Völker die auf den Südseeinseln landeten, waren kundige Seefahrer. Sie besaßen Seekarten, die in Bildern genaue Angaben über Strömungen und Passatwinde, Riffe und Untiefen enthielten.

Es entwickelten sich viele unterschiedliche Kulturen, abhängig davon, welche Lebensbedingungen die Einwanderer auf ihrer Insel vorfanden. Paradiesisch war das Leben auf den Südseeinseln keinesfalls: Die Bevölkerung wuchs, die bewohnbare Landfläche dagegen war äußerst beschränkt. Somit waren Hunger, Überbevölkerung und ein erbitterter Kampf um den knappen Lebensraum die Folge. Schon sehr früh wurde Abtreibung als eine alltägliche Maßnahme zur Geburtenkontrolle betrieben! Eine Ausnahme stellte die Situation der Maori dar: Auf den großen Inseln Neuseelands hatten sie nicht mit Platzproblemen zu kämpfen.

Keine der ozeanischen Kulturen kannte die Schrift. Dagegen spielte Überlieferung in Kunst und Wort eine große Rolle. Die Maori beispielsweise bewahrten Geschichte der Insel in Gesängen, die Tausende von Zeilen umfassten! Außerdem kannten die Inselvölker keine Metallverarbeitung - dies führte die europäischen Entdecker zu dem Glauben, dass sie es mit primitiven Steinzeitkulturen zu tun hatten.

Die vorherrschende Religion der Ozeanier war der Animismus (lat. anima = "Seele"). Für die Inselbewohner war alles Wind, Wasser, Gestein, Pflanzen und Tiere, beseelt. Die meisten Seelenkräfte besaß der Mensch; als Sitz der Seele galt der Kopf. Man glaubte, dass nach dem Tod die Seelenkräfte noch zunähmen - manche Völker praktizierten deshalb Kannibalismus. Bei den Totenriten vieler Stämme wurde dem Schädel besondere Aufmerksamkeit geschenkt: Man befreite den Kopf des Verstorbenen vom Fleisch, indem man ihn für eine Zeit lang in der Erde vergrub. Aus Lehm wurde das ursprüngliche Gesicht wieder modelliert, die Augen wurden durch Kaurischnecken ersetzt und der Kopf erhielt eine Perücke. Bei einer feierlichen Zeremonie wurde die Kriegsbemalung aufgetragen. Diese Ehrung des Verstorbenen sollte Unheil von seiner Familie abwenden. Die präparierten Köpfe wurden aufgestellt, um wie zu Lebzeiten an allen Beratungen teilnehmen zu können.

Besiedlung Australiens durch die Europäer

Schon im 2. Jahrhundert vor Christus gab es griechische Sternenkundler, die glaubten, dass die Erde eine Kugel sei: Aus Gleichgewichtsgründen müsse es auf der südlichen Erdhalbkugel einen Kontinent mit Landmasse entsprechend der auf der Nordhälfte geben, nahm man an. Im 15. Jahrhundert wurde diese Idee wieder aufgegriffen. In den Atlanten, die zur der Zeit entstanden, wurde diese Landmasse in einem noch unbekannten südlichen Ozean als terra australis incognita eingezeichnet, auf Latein das "unbekannte Land im Süden".

In diesen Jahrhundert wurden viele große Entdeckungsfahrten unternommen. Die Portugiesen und die Spanier, die um die Seeherrschaft konkurrierten, schickten auf zwei unterschiedlichen Routen Schiffe los, die einen Seeweg nach Indien finden sollten. Nach Indien gelangte zunächst keines von ihnen - stattdessen entdeckten die Spanier 1492 Amerika, das den Weg in den Pazifischen Ozean versperrte. Dem Portugiesen Vasco da Gama glückte es dann schließlich sechs Jahre später, Indien auf dem Weg um die Südküste Afrikas zu erreichen. In den folgenden Jahren stießen die Europäer auf Neuguinea und weitere Inseln im Südpazifik.

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts bekamen die Spanier und Portugiesen einen dritten Mitstreiter um die Vorherrschaft auf dem Meer: die Niederländer. Diesen gelang es, im März des Jahres 1606 an der Küste Australiens zu landen. Der Holländer Willem Jansz (ca. 1570 bis ca. 1630), Kapitän der Duyfken ("Täubchen") gilt als der offizielle Entdecker Australiens.

1642 beschloss die Niederländische Ostindienkompanie, dass der neue Kontinent systematisch erkundet werden müsse. Sie beauftragte mit der Erforschung des Kontinents Kapitän Abel Tasman (1603-1659). Er entdeckte die nach ihm benannte australische Insel Tasmanien. Von dort aus gelangte er jedoch nicht an das australische Festland, sondern erreichte als erster Europäer die Küste Neuseelands. Nachdem vier seiner Männer von Maori, den kriegerischen neuseeländischen Ureinwohnern, erschlagen wurden, verzichtete er auf weitere Landgänge auf Neuseeland. Auf einer zweiten Fahrt erreichte er schließlich die Nordküste Australiens und kam zu dem Ergebnis, dass das "Südland" unfruchtbar und trocken sei.

In diesen Jahren trieb der Pirat William Dampier sein Unwesen. Sein Freibeuterschiff drang auf seinen Raubzügen bis in den Golf von Bengalen vor. Dort beteiligte sich Dampier an einer Meuterei und wurde auf einer Insel ausgesetzt. Nachdem es ihm gelungen war, nach England zurückzukehren, schrieb er ein Buch über die Erlebnisse seiner Weltumrundung. Davon tief beeindruckt heuerten die Briten Dampier an und machten ihn zum Leiter von Expeditionen nach Australien und Neuguinea. 1699 landete er in Westaustralien, wo er wie seine Vorgänger unwirtliche Verhältnisse vorfand. Er fuhr in die Torresstraße und konnte beweisen, dass keine Verbindung zwischen Australien und Neuguinea besteht.

Nach seinem Karrieresprung folgte bald ein steiler Abstieg: Wegen Grausamkeit der Besatzung gegenüber und wegen Trunksucht wurde Dampier vor Gericht gestellt und entlassen. Er begab sich wieder auf Kaperfahrt rund um die Welt, doch wieder behandelte er seine Mannschaft schlecht: Seine Männer meuterten. Dampier heuerte auf einem anderen Piratenschiff als Navigator an und kam so zu seiner dritten und letzten Weltumsegelung. Er starb, bevor die Beute dieser Fahrt verteilt werden konnte. Die Fahrten William Dampiers wurden sogar literarisch verewigt.

Nachdem etliche Seefahrten nicht den gewünschten Reichtum aus einem fernen Kontinent im Süden gebracht hatten, verloren die Europäer zunächst das Interesse an Australien. Erst im 18. Jahrhundert fanden wieder Fahrten dorthin statt.

Die Europäer erforschen Neuseeland

Neuseeland - Strand
Strand von Neuseeland

Im Sommer 1642 landete der Niederländer Abel Tasman an der Westküste Neuseelands. Seine Männer und die Maori, die Ureinwohner Neuseelands, fanden keinen Weg, sich zu verständigen. Stattdessen geriet die Situation außer Kontrolle und die Maori töteten vier von Tasmans Leuten. Er nannte diese Bucht, die heutige Golden Bay, daher Murder Bay, "Mordbucht".

Gute 100 Jahre später kam der Engländer James Cook (1728-1779) nach Neuseeland. Anders als Tasman hatte er einen Tahitianer als Dolmetscher an Bord. Dennoch kam es zu tragischen Missverständnissen mit tödlichem Ausgang: Zum Beispiel gehörte es zur Begrüßungszeremonie eines Maoris-Stammes, die Neuankömmlinge scheinbar zum Kampf herauszufordern. Ein Matrose fühlte sich bedroht und erschoss einen der Maori-Krieger.

Insgesamt betrachtet jedoch verlief die Begegnung zwischen Cooks Engländern und den Maori friedlich und war für beide Seiten lehrreich und gewinnbringend. Durch die Europäer lernten die Maori Eisen kennen; besonders begeistert waren sie von Nägeln, Kartoffeln und Rüben, die die Engländer mitgebracht hatten, wurden zu einem wichtigen Bestandteil der Maori-Nahrung. Cook auf der anderen Seite kartografisierte Neuseeland. Zudem ließ er die Sprache der Maori und ihre Kultur dokumentieren. Er meldete Europa, dass Neuseeland reich war an Holz und Flachs und dass die Küsten Heimat für Seehunde und Wale waren. So wurde das Interesse britischer Investoren geweckt. Insgesamt verbrachte James Cook 328 Tage auf Neuseeland.

Dicht auf Cooks Reise folgten zwei französische Expeditionen. Die Verständigung verlief nicht so gut wie unter Cook. Da die Maori ein Volk mit vielen Regeln und Tabus sind, die den Europäern fremd waren, kam es mehrfach zu ungewollten Beleidigungen. In einer der blutigsten Auseinandersetzungen töteten die Franzosen über 200 Maori.

Auch die Begegnung des englischen Offiziers William Broughton mit den Moriori auf der Südinsel Neuseelands endete wegen Missverständnissen im Kampf. Das Ereignis ist in die Mythologie der Moriori eingegangen. Wegen ihrer hellen Haut nannten die Moriori die Europäer "Sonnenmenschen", Broughton erhielt den Namen Manu Katau ("rechtshändiger Vogel"). Als sie sahen, wie die Matrosen rauchten, riefen sie: "Seht, das Feuer von Mahuika kommt aus ihrem Hals!" - so pflegten sie 100 Jahre später von dieser ersten Begegnung zu berichten.

Die Moriori waren ein friedliebendes Volk. Um weitere Ausschreibungen zwischen ihnen und Europäern zu vermeiden, beschlossen sie auf einen großen Ratstreffen aller Moriori-Stämme der Insel, dass künftig alle neuen Besucher mit einem Friedensritual begrüßt werden sollten: Die Moriori-Krieger legten ihre Speere nieder und überreichten dem fremden Kapitän eine Graspflanze. Der Moriorianführer hielt eine Willkommensrede und hüllte den Kapitän in seinen eigenen Mantel.

Da denn Europäern die australischen Ureinwohner, die Aborigines, nichtsdestotrotz friedlicher und weniger gefährlich als die neuseeländischen erschienen, errichteten sie 1788 ihre erste Kolonie in Australien und ließen die Neuseeländer vorerst in Ruhe.

Kolonisation von Australien

1768 stach Kapitän James Cook (1728-1779) von Plymouth aus in See mit dem offiziellen Auftrag, die Bewegung des Planeten Venus von Tahiti aus zu beobachten. Seine geheime Mission war eine völlig andere: Eigentlich sollte er den sagenumwobenen Südkontinent, die Terra Australis, erkunden. Im Frühjahr 1770 erreichte Kapitän Cook die Ostküste Australiens - nachdem er beinahe am Großen Barriereriff gesunken wäre. In seinen Augen war das Land für landwirtschaftliche Nutzung geeignet. Daher nahm er es unter dem Namen "New South Wales" für die britische Krone in Besitz.

18 Jahre später landete die First Fleet, die Flotte mit den ersten Siedlern: Es waren britische Strafgefangene - der neue, weit abgelegene Kontinent war zur Strafkolonie bestimmt worden! Bis zum Ende der Sträflingstransporte Mitte des 19. Jahrhunderts wurden rund 160.000 Menschen nach Australien geschickt. Darunter waren die wenigsten Schwerverbrecher. Die meisten von Ihnen hatten kleinere Diebstähle begangen oder sich an Bauernaufständen beteiligt. Da die Häftlinge sich selbst ernähren sollten, wurden Kühe, Schafe, Ziegen und Pferde übergesetzt. Bald trafen auch freiwillige Auswanderer ein und aus dem Gefangenenlager wurde eine lebendige Kolonie. Die Ansiedlung nannte man Sydney nach dem Viscount Sydney, dem obersten Kolonialbeamten Australiens.

Skrupellose Männer konnten schnell zu Geld kommen, zum Beispiel durch Geschäfte mit Rum. Ein Offizier des Gouverneurs, der Schotte John McArthur, wurde wegen illegalen Rumhandels aus der Armee entlassen. Mit dem Kapital, das er sich so geschaffen hatte, begann er, Schafe zu züchten, und wurde mit ihrer Wolle einer der reichsten Kolonisten seiner Zeit.

Farmland wurde immer begehrter. Forscher und Abenteurer versuchten, das Landesinnere zu erkunden. Sie scheiterten aber immer wieder an den riesigen Wüstenflächen. Kurzhand wurde daher von den australischen Ureinwohnern, den Aborigines, genommen, was man brauchte: Land, Nahrung, Frauen. Zudem schleppten die Europäer Windpocken, Masern und Geschlechtskrankheiten ein, wodurch ganze Gemeinschaften der einheimischen Bevölkerung beinahe ausgelöscht wurden.

Weitere Kolonien wurden gegründet, neben neuen Straflagern entstanden auch sträflingsfreie Siedlungen. 1836 startete man in Südaustralien eine systematische Kolonialisierung: Land wurde an reiche Investoren verkauft. Diese sollten im Gegenzug Zuwanderer finanziell unterstützen. Ziel des Programmes war, freie, gesetzestreue Einwanderer anzulocken.

In dieser Zeit schaffte England die Straftransporte ab, da eine Aussiedlung nach Australien ihre Schrecken verloren hatte. Doch noch lange Zeit hatten ehemalige Häftlinge nach ihrer Strafentlassung Probleme, in der jungen Kolonialgesellschaft von freiwilligen Siedlern als gleichwertig anerkannt zu werden.

Im Zuge des Goldrauschs in den 1840er-Jahren in Kalifornien begann zehn Jahre später auch in westaustralischen Kalgoorlie eine fieberhafte Suche nach Gold. Durch die Aussicht auf schnellen Reichtum angelockt, zog es viele neue Zuwanderer nach Australien. Victoria, bisher ein Teil von New South Wales, wurde wegen des plötzlichen Bevölkerungszuwachses eine eigenständige Kolonie. Die Folge des Siedleransturms waren Chaos und Unruhen, viele der abenteuerlustigen Goldsucher hatten mit den ehrbaren Siedlern nichts gemein. Im November 1854 zettelten Minenarbeiter einen Aufstand, die sogenannte Eureka Stockade, an - dies war der einzige blutige Aufstand in der Geschichte Australiens.

Australien im 20. Jahrhundert

Opernhaus - Sydney - Australien
Das Opernhaus in Sydney (Australien)

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten in Australien 3,8 Millionen Menschen, die nicht von den Ureinwohnern abstammten, sondern von Siedlern aus Europa. Die meisten von ihnen waren englischer, schottischer oder irischer Herkunft. Sie wollten einen neuen Staat gründen, in dem vieles besser war als in der "Alten Welt", in Europa. In Australien sollte gleiches Recht für alle herrschen, die Verfassung demokratisch und die Wahlen geheim sein. So wurde im Jahr 1901 das Commonwealth of Australia gegründet. Sechs Jahre später erhielt der junge Bund Dominionstatus, das heißt beinahe vollständige Unabhängigkeit vom Mutterland Großbritannien. Endgültig unabhängig wurde Australien jedoch erst 1942.

Im Ersten Weltkrieg sowie im Zweiten Weltkrieg unterstützte Australien Großbritannien und sandte Truppen nach Europa. Mit verheerenden Folgen - im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung hatte Australien im Ersten Weltkrieg die höchsten Verluste zu beklagen: Ungefähr 60.000 Soldaten kamen ums Leben. Heute noch gedenken die Australier am 25. April der in Europa Gefallenen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte Australien eine Zeit des Aufschwungs. Viele Flüchtlinge und Auswanderer wollten sich auf dem Südkontinent eine neue Zukunft aufbauen und nahmen freudig jede Arbeit an, die sich ihnen bot. Auch hatte das Fabrikwesen während der Zeit der Kriege nicht stillgestanden, im Gegenteil. Viele Frauen hatten die Arbeit der Männer übernommen, als diese in den Krieg zogen. Als wieder Frieden herrschte, behielten sie ihre Arbeitsplätze bei. Da sich so die Zahl der Arbeitskräfte verdoppelt hatte, gingen die Gewinne in die Höhe.

In der Mitte des 20. Jahrhunderts setzten europäisch-stämmige Australier und Nachfahren der Ureinwohner, der Aborigines, sich gemeinsam dafür ein, die Situation der Urbevölkerung zu verbessern. Mit Erfolg: Zu Beginn der 60er-Jahre erhielten die Aborigines das Wahlrecht. Einige Jahre später wurden ihnen die vollen Bürgerrechte verliehen und erstmals wurden sie bei Volkszählungen berücksichtigt.

Was die Wirtschaft angeht, ist Australien seinen Anfängen treu geblieben: Wie schon zur Zeit der ersten europäischen Siedler ist Landwirtschaft eine der Haupteinnahmequellen. Riesige Flächen des Landes dienen als Weide für mehr als 100 Millionen Schafe und gut 25 Millionen Rinder. Wolle und Fleisch gehören zu den Hauptexportprodukten Australiens, in der Wollausfuhr ist das Land sogar weltweit führend. Zudem ist der Kontinent reich an Bodenschätzen. Kohle, Eisenerz, Gold und Diamanten werden in großer Menge abgebaut. Ebenfalls wichtig für die Wirtschaft ist der Anbau von Weizen und Zuckerrohr, aber auch von Wein. Außerdem ist Australien einer der wenigen Staaten, in denen - natürlich unter strengen Kontrollen - Schlafmohn für die Opiumgewinnung angebaut werden darf.

Eine gewählte Monarchie

Die Staatsform Australiens ist eine parlamentarische Monarchie. Das heißt, Australien hat eine Monarchin, eine Königin - diese hat jedoch keine Macht, sondern Parlament und Regierung leiten die Staatsgeschäfte. 1999 konnte das australische Volk darüber abstimmen, ob die Monarchie abgeschafft werden solle. Die Mehrheit entschied sich dafür, das Königtum beizubehalten, und so ist weiterhin Elisabeth II. (reg. seit 1952) nicht nur Königin von Großbritannien, sondern auch von Australien.

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